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Dresden Elbufer

7 Tipps für Dresden – Meine Empfehlungen für ein tolles Wochenende

Nicole Manstedt · 12.02.2017 · Deutschland, Dresden, Europa

Das heutige Dresden haben wir einem Mann zu verdanken. Er zerbrach Hufeisen mit den bloßen Händen und verbog Münzen zwischen seinen Fingern. Das brachte ihm den Beinamen August, der Starke ein. Als Kunst- und Architektur-Liebhaber ließ er Dresden 1700 zur barocken Kulturmetropole umbauen. Ein Blick auf die Prachtbauten am Altstädter Ufer zeigt Dresden als unvergängliche Stadt, die erkundet werden will. Das geht wie immer am besten zu Fuß, den Blick auf die vielen Barock- und Renaissancefassaden gerichtet und stets nach geschichtlichen Ereignissen suchend. Ein wenig Geschichte gehört dazu, wenn man in Dresden ist, aber sie muss nicht dröge sein, wie man am Leben und Wirken von August dem Starken sehen kann. Der Zweitgeborene, der erst, als sein Bruder an Blattern verstorben war, zum Kurfürsten von Sachsen aufstieg und drei Jahre danach zum König von Polen ernannt wurde, gilt als eine der schillerndsten Persönlichkeiten der Geschichte, nicht zuletzt auch durch seine unzähligen Liebschaften.

Zwischen Wahrheit und Legende

Angeblich soll er von seinen Mätressen 354 Kinder gehabt habe. Tatsächlich war er ein Frauenheld, der bereits vor seiner Regentschaft für ordentlich Wirbel sorgte, als er in Madrid die tugendhafte Marquesa de Manzera verführte. Der gehörnte Ehemann hetzte ihm eine wilde Mördebande auf den Hals, der er aber entkam. Fortan war der Charmeur den Frauen nicht abgeneigt und auch nach seiner Krönung und der formalen Heirat einer standesgemäßen Prinzessin, gehörte die Eroberung seiner unzähligen Mätressen zu seiner liebsten Beschäftigung. Geliebt hat er aber nur eine. Anna Constanze von Brockdorf, die er 1705 kennenlernte und zur Gräfin Cosel ernannte. Aber wie das ausging ist ja bekannt.

Was die Frauen an ihm so anziehend fanden, war sein charmantes Wesen und seine unglaubliche Stärke, die er gerne auf Festen öffentlich zur Schau stellte. Wenn der sächsische Herkules zwischen den barocken Pavillons und Toren des Zwingers seine Manchetten nach hinten warf und Hufeisen mit bloßen Händen gerade bog, fielen die Frauen reihenweise in Ohnmacht.

1. Zwinger

Vorbild für den Zwinger war übrigens Schloss Versailles, das August auf einer seiner vielen Reisen gesehen hatte. Überwältigt von dessen Schönheit beauftragte er Daniel Pöppelmann als Architekten und Balthasar Permoser als Bildhauer mit den enormen Umbauarbeiten. Die zwei machten den Zwinger zu einem Gesamtkunstwerk aus Gartenanlage und barocken Bauten, in denen August seine enormen Sammlungen unterbringen konnte.

Augusts wilde Sammelleidenschaft zeigt sich in der Porzellansammlung. Die ging sogar so weit, dass er 600 seiner Soldaten für 18 chinesische Vasen eintauschte, die daher auch als Dragonervasen bezeichnet werden. Heute stehen sie aufgereiht wie Zinnsoldaten in der Bogengalerie. Eine davon im Lackzimmer in Schloss Moritzburg.

Das älteste Museum Dresdens ist der Physikalische-Mathematische Salon, der technische Errungenschaften aus verschiedenen Epochen enthält. August hatte auch eine Leidenschaft für die technischen Spielereien, die auch seine Nachfolger sammelten.

Der Bau der Gemäldegalerie Alter Meister erfolgte erst später unter Gottfried Semper. Hier hängen in goldenen Rokokorahmen die Madonnen von Correggio, Parmigianino und natürlich Raffaels berühmte Sixtienische Madonna.

MEINE EMPFEHLUNG // Zwischen den Museumsbesuchen einen Kaffee im Solino im Glockenspielpavillon trinken.

2. Das Residenzschloss

Auch das Residenzschloss ließ August nach seinen Vorstellungen im barocken Stil umbauen. Hofarchitekt Pöppelmann stattete die Räumlichkeiten mit Tafelparkett aus Eiche, marmornen Kaminen, venezianischen Spiegeln und vergoldeten Leuchten aus, während August weiter seiner Sammelleidenschaft frönte und die königliche Schatzkammer im heutigen Historisch Grünen Gewölbe mit massenhaft Pretiosen aus Silber, Gold und Edelsteinen füllte.

Der Partymacher, der auf dem venezianischen Karneval genauso zu hause war, wie auf den höfischen Festen, liebte den derben Humor wie sich im Grünen Gewölbe zeigt. Hier findest du allerlei Kurioses wie die Wanderpokale, die bei Trinkgelagen fröhlich über den Tisch sausten oder eine Miniaturkutsche, auf der Augusts Hofnarr Josef Fröhlich mit runter gelassener Hose sitzt. Im inneren des Wagens steht ein Nachttopf.

Auch die meisten Exponate im Kupferstich-Kabinett, Rüstsaal und Münzkabinett verdanken wir heute August und seinem Sohn Friedrich August II., der zudem noch den Bau der Gemäldegalerie Alter Meister voran getrieben hat.

MEINE EMPFEHLUNG // Unbedingt Kombiticket mit Historisch Grünem Gewölbe kaufen!

3. Das Albertinum

Den Heiterkeiten im Grünen Gewölbe stehen die Romantiker, Impressionisten und Gegenwartskünstler im Albertinum gegenüber. Das Albertinum war zu Augusts Zeiten noch ein Waffenarsenal und wurde erst im 19. Jahrhundert in ein Museum umgebaut. In der Galerie der Neuen Meister hängen unter anderem Otto Dix Triptychon „Der Krieg“ und Hans Grundigs „Tausendjähriges Reich“. In der Skulpturensammlung im Klingersaal findest du Rodins „Denker“ und auch moderne Werke wie den „Seelenfänger“ – ein Knäuel aus Bootstauen und Rettungsringen der jungen Künstlerin Birgit Dieker.

MEINE EMPFEHLUNG // Einen Museumstag einplanen!

(Kleiner Hinweis: Das Albertinum hat montags geschlossen, die Museen im Residenzschloss am Dienstag)

4. Die Katholische Hofkirche

1697 wechselte August zu Gunsten der polnischen Krone zum Katholizismus. Das fiel ihm im Gegensatz zu seiner Frau, die vom Volk auch die „Betsäule Sachsens“ genannt wurde nicht sonderlich schwer. Er war kein religiöser Mensch. Als er einmal auf der Jagd einen kapitalen Hirsch erlegt hatte, betrachtete er das edle und ruhig daliegende Tier und sagte:

„So ein Hirsch hat doch ein glückliches Leben gehabt, nie hat er sich eine Messe anhören müssen.“

Trotzdem musste in dem sonst protestantischen Dresden eine Kirche her. Sein Sohn Friedrich August II. ließ somit die Katholische Hofkirche bauen.

MEINE EMPFEHLUNG // Unbedingt reingehen. Lohnt sich!

5. Das Italienische Dörfchen

Damit beauftragt wurde der italienische Baumeister Gaetano Chiaveri, der sich mit seinen Handwerkern, die er aus seiner Heimat mitbrachte, am linken, steilen Ufer des Elbbogens ansiedelte. Eine Siedlung aus kleinen verwinkelten Häuschen, die vom Dresdner Volksmund liebevoll das Italienische Dörfchen genannt wurde. Beim Bau Sempers erstem Hoftheater wurde die Siedlung bis auf ein paar wenige Gaststätten abgerissen, an denen an einer der Name Italienische Dörfchen haften blieb. Nach der Zerstörung im Krieg und dem Wiederaufbau, folgte nach der Wende die umfangreiche Renovierung. Entstanden ist ein repräsentativer Neubau, der sich in das barocke Ensemble am Theaterplatz eingefügt hat und mittlerweile mit seinen wunderschön bemalten Räumen und Sälen zu Deutschlands schönsten Gaststätten gehört.

MEINE EMPFEHLUNG // Frühstück mit Blick auf die Elbe

EXTRATIP // Im historischen Ambiente der Schinkelwache (gegenüber vom Italienischen Dörfchen) einen White Chocolate Macciato trinken. Neben feinen Kaffeespezialtäten bekommst du hier noch richtig leckeren Kuchen.

6. Die Frauenkirche

Ein anderes bedeutendes Bauwerk in Dresden ist zweifelsohne die Frauenkirche am Neumarkt. Als der damals eher noch unbekannte George Bähr 1722 mit dem Bau der Kirche beauftragt wurde, musste er mit vielen Schwierigkeiten und Intrigen kämpfen und fand große Unterstützung in August, der ihn sogar finanziell unterstützte. Der kosmopolitische August sah die Elbe gern als Canale Grande mit Pöppelmanns Brücke als Rialtobrücke und die neue Frauenkirche mit ihrer steinernen Kuppel als Santa Maria della Salute.

1734 fand dann der erste Gottesdienst in der Frauenkirche statt, doch immer wieder kamen Bedenken über die Standfestigkeit der steinernen Kuppel auf. Auch Gaetano Chiaveri, der schon vor dem Bau der Hofkirche viele statische Gutachten erstellt hatte, empfahl rigoros den Abriss der steinernen Kuppel. Wie durch ein Wunder prallte dann im Siebenjährigen Krieg eine Kanonenkugel an der Kuppel ab und erst im Bombenhagel des 2. Weltkriegs fiel sie in sich zusammen.

Aber auch der Wiederaufbau, der nach der Wende zum größten Teil aus Spendengeldern aus der ganzen Welt finanziert wurde, grenzt an ein Wunder. Mit so viel Solidarität hatte keiner gerechnet und heute steht die Frauenkirche in Dresden für Frieden und Verständnis auf der ganzen Welt.

Der Wiederaufbau erfolgte übrigens originalgetreu nach den einstigen Plänen von George Bähr. Lediglich einige staatische Verbesserungen der Kuppel wurden vorgenommen, die man heute sogar besteigen kann. Von dort oben blickst du dann auf Augusts barockes Dresden.

MEINE EMPFEHLUNG // Die Kuppel besteigen.

7. Stallhof und Fürstenzug

Der Stallhof mit den Sgraffitto-Malereien und dem langen Gang mit den toskanischen Säulen gehört zum Komplex des Residenzschlosses und wurde auch schon vor Augusts Zeiten für Turniere und Wettkämpfe genutzt.

An der Außenseite des Langen Ganges befindet sich der 102 Meter lange Fürstenzug. Hier sind alle 35 wettinischen Regenten und Fürsten zwischen 1123 und 1904, gefolgt von den wichtigsten Vertretern der Kunst und Wissenschaft, abgebildet. Ursprünglich war der Fürstenzug ebenfalls als Sgraffitto dargestellt, wurde aber später durch 25.000 Kacheln aus Meissener Porzellan ersetzt. August auf seinem, sich bäumenden Schimmel, ragt zweifelsohne unter den zahlreichen Fürsten des Hauses Wettin hervor.

So findet die Geschichte wieder zurück zu August dem Starken und mein Artikel über Dresden sein Ende.

Meine Gedanken zum Schluss

Dresden ist eine vielseitige und tolle Stadt, nicht zuletzt dank Augusts regen Bauinteresse. Die höfische Pracht und die kulturellen Facetten Dresdens, die inspirieren und Lust auf Kunst und Kultur machen. Dank seiner Sammelleidenschaft und die seines Sohnes verdanken wir August eine der reichsten und größten Kunstsammlungen in ganz Europa. Dresden ist eine geschichtsträchtige aber auch extrem kreative Stadt, die man unbedingt erlebt haben muss.

Dresdens Schönheit reicht aber noch weit über die Altstadt hinaus. Da sind noch die bunte äußere Neustadt und die vielen Schlösser und Gärten vor den Toren der Stadt. Wie wärs mit einem Ausflug zu Schloss Moritzburg oder Schloss Pillnitz? Oder hast du Lust auf eine kleine Wandertour in der benachbarten Sächsischen Schweiz? Wenn du ein tolles Hotel für deine nächste Dresden Reise suchst, kann ich dir das Gewandhaus Dresden empfehlen.

Warst du schon in Dresden? Wie sehen deine Tipps für ein unvergessliches Wochenende aus und welche Ausflüge ins Umland hast du gemacht?

3 Kommentare:
  1. Den Schönen Tag wünsche ich dir auch.
    Bis bald mal wieder.
    Ganz liebe Grüße ausm tiefen Westen

    Holger · Februar 13, 2017
  2. Hallo Nicole, deine Tipps treffen genau zu.
    Kann allem nur zustimmen. Dresden ist eine wundervolle Stadt. Ich hatte leider nur ein Tag Zeit aber im Touristenbüro bekommt man für 2 Euro eine Karte mit einer Route die das meiste abdeckt. Ein frisch gezapftes trübes Radeberger aus dem Brauerei Aussschank schmeckt am Elbeufer auch nicht schlecht. Im Zwinger bin ich in ein Fettnäpfchen getreten, da ich just in Time in die Dreharbeiten vom ersten Tatort gestolpert bin😉.
    Liebe Grüße
    Holger

    Holger Fiebig · Februar 13, 2017
    • Und prompt machst du Nägel mit Köpfen – du bist ein wahrer Schatz Holger. Danke dir! Auch sehr lustig das mit dem Tatort. In Dresden wird anscheinend sehr gerne mal gedreht. Wünsch dir einen super Tag.

      Nicole Manstedt · Februar 13, 2017

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