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Berlin – Mahnmale des Nationalsozialismus (Teil 1): Die Asche meiner Familie

Nicole Manstedt · 29.05.2016 · Berlin, Deutschland, Europa

Jede Stadt hat ihre eigene Geschichte, aber ich habe sie noch nie so konzentriert wie in Berlin vorgefunden. Es gibt unzählige Museen, Gedenkstätten und Mahnmale, die die Vergangenheit dokumentieren und einem die Geschichte näherbringen. Berlin leistet hervorragende Arbeit in Punkto Information und Aufklärung. Eines der schlimmsten Verbrechen der Menschheitsgeschichte ist die Ermordung der Juden während des Nationalsozialismus. Der mir unerklärliche Antisemitismus, der bereits in der Antike seinen Ursprung fand und sich durch die Geschichte wie ein roter Faden zieht, nahm unter Hitlers Regime ein unbegreifliches Ausmaß an. Fast 6 Millionen Juden sind weltweit dem blinden Hass zum Opfer gefallen, darunter allein 55.000 Juden in Berlin.

Inhalt

  1. Die Asche der verbrannten Juden
  2. Das unbewusste Todesurteil einer Mutter
  3. Die Massengräber
  4. Meine Gedanken zum Schluss

Die Asche der verbrannten Juden

Das Holocaust-Mahnmal in nächster Nähe zum Brandenburger Tor soll der im Dritten Reich ermordeten Juden gedenken. Das Konzept des wellenförmig angelegten Stelenfeldes erinnert an einen Friedhof, die Farbe der Steine an die Asche der verbrannten Juden. Die Atmosphäre ist beklemmend, wenn man zwischen den Steinblöcken hindurchläuft, zu schwer wiegt das Verbrechen.

Unterirdisch unten dem Stelenfeld kann man sich noch eine Ausstellung ansehen. Hier befinden sich vier Räume: Raum der Erinnerung, Raum der Dimensionen, Raum der Familien und Raum der Namen. Alle klären auf und informieren über die Zahlen der Opfer, über Familienschicksale und individuelle Lebensgeschichten.

Das unbewusste Todesurteil einer Mutter

Jeder Raum löst eine Welle der Gefühle und Gedanken in mir aus und bei der furchtbaren wie tragischen Geschichte der jüdischen Mutter, die unbewusst das Todesurteil ihres eigenen Kindes unterschrieben hat, kann ich meine Betroffenheit kaum noch unterdrücken. Um ihren Sohn vor der harten Arbeit im Zwangslager zu schützen, hatte sie behauptet, daß er noch keine 12 Jahre alt sei. Der Junge wurde als nutzlos eingestuft und sofort in der Gaskammer getötet. Meine Augen werden feucht und ich würde am liebsten laut losheulen.

Die Massengräber

Auch mit welchem Kalkül Menschen umgebracht und danach einfach in Massengruben entsorgt wurden, ist für mich so unfassbar und schrecklich, daß ich auch jetzt noch einen Kloß im Hals habe, während ich diesen Text schreibe.

Meine Gedanken zum Schluss

Ich bin keine Jüdin, aber ich hätte als solche geboren werden können. Dann wäre ich jüdisch erzogen worden und hätte einen anderen Glauben. Vielleicht hätte ich mich als Erwachsene gegen das Judentum entschieden, vielleicht aber auch nicht. Zumindest hätte ich eine jüdische Familie. Ich hätte aber auch als Sintiza oder Romni auf die Welt kommen können und auch das wäre nicht meine bewusste Entscheidung gewesen. So gesehen könnte es auch meine Familie sein, die gedemütigt, gequält und ermordet wurde. Das macht mich nachdenklich und betroffen.

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Wenn du dich mehr mit dem Thema auseinandersetzen möchtest, empfehle ich dir, die Erinnerungsstätte Topographie des Terrors zu besuchen. Hier befanden sich während des Dritten Reichs die Zentralen der Geheimen Staatspolizei, der SS und des Reichssicherheitshauptamtes. Heute kann man sich in einer Dauerausstellung über die Wahrheit des NS-Regimes und ihre grausamen Folgen informieren. Hier geht es zu Teil 2 meiner Artikelreihe Berlin – Mahnmale des Nationalsozialismus: Die grausame Wahrheit.

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