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Berlin – Zeugnisse des Kalten Krieges (Teil 1): Die Utopie des Sozialismus

Nicole Manstedt · 02.07.2016 · Berlin, Deutschland, Europa

Als hätte die Stadt unter Hitler nicht schon genug gelitten, sahen sich die Menschen nach dem zweiten Weltkrieg den politischen Machtkämpfen der vier Siegesmächte Sowjetunion, USA, Großbritannien und Frankreich ausgesetzt. Ost gegen West, Kommunismus gegen Kapitalismus. Deutschland wurde zunächst in zwei Teile gespalten, in die BRD und in die DDR und nachdem viele aus dem Osten in den Westen übergesiedelt sind, wurden die Grenzübergänge ganz verschlossen. Kurze Zeit später wurde 1961 die Mauer gebaut und alle, die sich zu diesem Zeitpunkt im Osten Deutschland befanden von der restlichen Welt abgeschnitten. Was irgendwann als gutgemeinte Ideologie begann, wurde vielen Menschen in der DDR zum Verhängnis. Es folgten Jahre der totalen Kontrolle und Überwachung. Wer nicht mitspielte wurde gefügig gemacht und viele Fluchtversuche in den freien Westen endeten tragisch. Erst 28 Jahre später wurde die Mauer wieder geöffnet.

Wer mehr über das Leben und den Alltag in der ehemaligen DDR erfahren möchte, sollte unbedingt dem DDR Museum einen Besuch abstatten.

Inhalt

  1. Eine sentimentale Ostalgie
  2. Der Kommunismus als Planwirtschaft
  3. Der genormte Platenbau
  4. Der sozialistische Mensch
  5. Im Visier der Stasi
  6. Meine Gedanken zum Schluss

Eine sentimentale Ostalgie

Das Sandmännchen, der Trabant, die Spreewaldgurke oder die gute alte Florena lösen bei vielen eine sentimentale Ostalgie aus. Überall in Berlin findet man Straßenverkäufer mit alten DDR-Schildern, Militär- und Fellmützen und das Ampelmännchen ist längst Kult. Es war ja nicht alles schlecht hört man hier und da jemand sagen. Wir hatten Arbeit und mussten uns keine Sorgen um die Zukunft machen. Für die Kinder wurde gesorgt und sie bekamen eine gute Ausbildung. Man ging auch viel freundlicher miteinander um. Heute ist ja jeder neidisch auf den anderen. So was wie Mobbing kannten wir gar nicht. Es gab auch keine Kriminalität und Lebensmittel waren auch viel günstiger.

Vieles mag vielleicht stimmen, aber in der DDR zu leben bedeutete auch eingesperrt zu sein und nicht ausreisen zu können. Viele wurden von ihren Freunden und Familien getrennt und haben sie jahrelang oder gar nicht mehr gesehen.

Während ich von New York, Shanghai und Tokio träume, waren die beliebtesten Urlaubsziele zu Zeiten der DDR die Ostsee, Thüringen und der Harz. Man wohnte im Ferienheim, ging zelten und besonders Abenteuerlustige fuhren nach Polen, Ungarn oder in die Tschechei.

Der Kommunismus als Planwirtschaft

Der Kommunismus als Planwirtschaft, sollte für eine klassenlose Gesellschaft sorgen, das es jedem gleich ging und es an nichts mangelt, jedoch diktierte der Staat vor was sein Volk bekommen sollte. Das war nicht immer das was es gerade brauchte oder wollte. Es hatte auch nicht jeder das Gleiche. Kühlschränke und Fernseher waren schwer zu bekommen und nicht für jeden bezahlbar, auf ein Auto musste man Jahre lang warten und ein Telefon besaß auch nicht jeder. Hatte man einen Fernseher, gab es nur das Ostprogramm. Vom Zensor überwacht und ausgesucht. Westprogramme konnte empfangen werden, was aber von der SED nicht gerne gesehen wurde.

Es wurden fleißig gelbe Marken gesammelt und in ein Heftchen geklebt. Mindestens einer in der Familie war Mitglied in der Konsum-Genossenschaft und bei Vorlage des Heftchens bekam man Geld zurück. Bei einem 4 Personen-Haushalt waren das nach einem Jahr knapp 100 Mark.

Der genormte Platenbau

Wohnraum war knapp. 1971 wurde ein Bauprogramm ins Leben gerufen, das dem entgegen wirken sollte. Der genormte Plattenbau als Symbol des Sozialismus, der in wenigen Wochen aus dem Boden gestampft wurde. Die Wohnungen gehörten dem Staat, der niedrige Mieten garantierte, jedoch kam man auch hier wieder auf eine Warteliste. Familien wurden bevorzugt, die auch durch günstige Kredite und viele Subventionen gefördert wurden. Der Einzelne dagegen hatte es schwer.

Der sozialistische Mensch

Auch der Sozialismus zielte darauf ab, dass man Kinder bekam, die dann später dem Staat dienen sollten. In den Schulen stand jetzt Marxismus und Leninismus auf dem Leerplan und wer aus der Reihe tanzte landete im Erziehungshof, wo man Jugendliche zu sozialistische Menschen erzog. Dabei wurde mit Druck und militärischem Drill nachgeholfen. Misshandlungen und sogar Missbrauch hat es gegeben.

Später stand für die jungen Männer der Wehrdienst auf dem Plan, dem man sich im Grunde genommen nicht entziehen konnte. Es gab nur wenige Ausnahmen, die man genau begründen musste. Alle Verweigerer wurden hart bestraft.

Im Visier der Stasi

Schriftsteller wie Franz Kafka oder auch Hermann Hesse waren auch zu DDR Zeiten ideologisch bedenklich, westliche Musik war der SED ein Dorn im Auge und auch in der Kunst wurde stark zensiert.

Um nicht im Visier der Stasi zu stehen musste man sich fügen. Selbst vorm Nachbar war man nicht sicher, da jeder ein Spitzel hätte sein können. Da wäre ich auch immer nett und freundlich gewesen. Stundenlange Verhöre, immer die gleichen Fragen mit monotoner Stimmen. Irgendwann mürbe gemacht wurde der Stasivernehmer zum einzigsten Freund und man gestand, obwohl man eigentlich nichts gemacht hatte.

Meine Gedanken zum Schluss

Für viele war die DDR vielleicht nicht so schlimm, weil sie keine Berührungspunkte mit der Stasi hatten und auch sonst für sie alles in geordneten Bahnen verlaufen ist. Jedoch finde ich es persönlich schwierig einen Staat zu verharmlosen, der sein Volk mit Unterdrückung und Gewalt klein gehalten und dabei so viele Menschenleben zerstört hat.

Der Sozialismus mit seinen Eckpfeiler Gleicheit, Gerechtigkeit und Solidarität ist meiner Meinung nach eine Utopie. Ein Wunschdenken, das auf einer gut gemeinten Ideologie begründet ist, aber an den unterschiedlichen Bedürfnissen des Menschen scheitert. Mensch ist nunmal nicht gleich Mensch. Egal ob es ethnische, kulturelle oder individuelle Unterschiede sind, aber gerade diese Vielfalt macht die Welt doch interessant.

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Hier geht es nun weiter mit Berlin – Zeugnisse des Kalten Krieges (Teil 2): Brennpunkt der deutschen Teilung.

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