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Das kleine Städtchen Idstein

Das kleine Städtchen Idstein – Ein Altstadt-Märchen im sonnigen Taunus-Tal

Nicole Manstedt · 26.02.2017 · Deutschland, Europa, Idstein

Tief im sonnigen Taunus-Tal gelegen befindet sich das kleine Städtchen Idstein. Ein Kleinod mit altertümlichen Gassen, schmucken Plätzen und liebevoll restaurierten Fachwerkhäusern. Eine spontane Eingebung hatte mich Ende des letzten Jahres hier her gebracht und ich war überrascht wie märchenhaft schön die Altstadt ist. So kam ich auch auf die Idee zu meiner Artikel-Reihe über hübsche Altstädte rund um Frankfurt. Wieso in die Ferne schweifen, wenn es doch hier so viel Schönes zu entdecken gibt. Mit der Regionalbahn Richtung Limburg bist du vom Frankfurter Hauptbahnhof aus in knapp 40 Minuten am Bahnhof in Idstein. Von hier gehts zu Fuß ins Zentrum. Im Altstadtkern rund um den König-Adolf-Platz erwarten dich dann Kopfstein gepflasterte Gassen, liebevoll restaurierte Fachwerkhäuser und ein magischer Flair wie aus einem Märchen.Städte wie Idstein bezaubern durch ihre verträumten Altstädte und ihre vielen Geschichten, die sich hinter jeder Ecke und Tür verbergen. Hier findest du keinen Städte-Krimi, sondern verwunschene Altstadt-Geschichten, die aus Zeiten berichten als es noch Burgherren und Burgfräuleins gab. Hinter den alten Mauern befinden sich heute schicke Geschäfte und gemütliche Kneipen, aber der mittelalterliche Hauch der Vergangenheit versprüht noch immer seinen romantischen Charme.

Der König-Adolf-Platz

Der in der Altstadt gelegene König-Adolf-Platz ist umrandet von jahrhundertealten Fachwerkhäusern aus dem 15. bis 17. Jahrhundert. Eins schöner als das andere. Besonders imposant ist das Killingerhaus, mit seiner bunt bemalten Fassade, dem hübschen Erker und den vielen Schnitzereien.

Im Killingerhaus findest du auch die Touristeninformation, in der du zwei Broschüren zur Stadt erhältst – ein Rundgang durch die Altstadt mit vielen Hintergrundinformationen zur Geschichte der Stadt und eine über die wundervoll verzierten Fachwerkhäuser und ihre Bauweise. Idstein gibt es bereits seit dem 12. Jahrhundert und hat wahrlich viel zu erzählen.

Zum Beispiel vom Schatzfund im Café zum Löwen. 1928 ließ der der damalige Wirt einen Weinkeller ausheben, bei dem ein zerbrochenen Tonkrug mit uralten Münzen entdeckt wurde. Anstatt den Fund dem Wirt zu melden, haben die geschäftstüchtigen Handwerker die Münzen über einen Heler an das Museum in Wiesbaden verschachert. Doch der Wirt kam dahinter und hat Klage eingereicht. In einem Vergleich hat er 3.000 Reichstaler erhalten. Die gefundenen Münzen verblieben jedoch im Museum. Sie wurden auf die Zeit um 1350 datiert und das Café zum Löwen somit zum ältesten Gasthaus in Idstein.

Neben dem Killingerhaus gibt es doch tatsächlich noch ein Raucherlokal in Idstein. Eine gemütliche, urige Kneipe mit Blick auf die gute Stube, wie der König-Adolf-Platz auch liebevoll genannt wird. Der Cappuccino kostet hier übrigens nur 1,90 €. Aber keine Sorge, auch als Nichtraucher findest du in einem der umliegenden Cafés oder Restaurants ein gemütliches Plätzchen. Zum Beispiel im eben erwähnten Café zum Löwen oder im Gasthaus zur Pfeif gegenüber vom Löwenbrunnen am unteren Platz.

Am Eingang zum König-Adolf-Platzes (vom Bahnhof kommend) steht seit 1727 das Schiefe Haus. Ein wunderliches Gebäude wie aus einem Gemälde von Salvatore Dali. Unzertrennlich und doch so verschieden ragen die beiden Zwerchgiebel in den Himmel. So blau wie das Meer, mit gelben Fensterrahmen und weißen Schneckenornamenten. Tatsächlich kam die Schieflage durch einen Konstruktionsfehler zustande, macht es aber zu einem außergewöhnlichen Blickfang.

Das Rote Rathaus daneben stammt ebenfalls aus dem 18. Jahrhundert und hat seitdem einiges mitgemacht. 1928 wurde das Haus durch Stürzende Felsen stark beschädigt und 1947 wäre es fast abgebrannt.

Schloss und Hexenturm

Eine Treppe führt hinauf zum Kanzleitor, das den städtischen Bereich im Süden vom herrschaftlichen Bezirk im Norden trennt. Das Tor stammt noch aus dem 15. Jahrhundert und wurde schon als Gefängnis, Folterkammer, Getreidespeicher und Wohnung für Bedienstete genutzt. Heute befindet sich das Standesamt von Idstein darin.

Wenn du weiter durch das Tor gehst, gelangst du zum Schlossbezirk mit den bürgerlichen Fachwerkgässchen und dem ehemaligen Burggelände mit den Schweifgiebeln und dem roten Fachwerk. Auf einer Eisentafel an die Burgmauer geschlagen, prangen die Namen derer, die ihr Leben im Feuer ließen. Als Hexen gebrandmarkt und unschuldig verbrannt.

Apropos Hexen, hier findet auch alle zwei Jahre der Hexenmarkt statt. Ein mittelalterlicher Markt mit jeder Menge Spaß für Groß und Klein, wie Bogenschießen, Schauspiel, Gaukeleien, Akrobatik, Tanz und mittelalterlicher Musik. Dieses Jahr ist es wieder soweit und vom 8. bis 9. April öffnet der 13. Hexenmarkt in Idstein seine Pforten. Vielleicht ist das ja was für dich.

Vom gegenüberliegenden barocken Schlossgarten hast du einen tollen Blick auf den Hexenturm – dem Wahrzeichen der Stadt. Sein Name hat aber, mit den im 17. Jahrhundert stattgefunden, Hexenverbrennungen nichts zu tun. Der Turm steht hier schon seit dem 12. Jahrhundert und diente wahrscheinlich als Wasser- oder Kornspeicher. Eine Hexe war nie da drin. Ein geschäftstüchtiger Pfarrer, der das Stadtarchiv durchforstet hatte, fand die Geschichte über die Hexenverbrennung aber interessanter und so wurde Anfang des 19. Jahrhunderts aus dem alten Bergfried von der Burg der Touristenschlager Hexenturm.

Am Fuße des Hexenturms erhebt sich im Renaissancestil das Residenzschloss, in dem im 13. Jahrhundert Adolf von Nassau als deutscher König residierte. Residiert wird hier aber schon lange nicht mehr, sondern gelernt. Im Schloss befindet sich heute die Pestalozzischule. Schloss und Hexenturm können auf Anfrage besichtigt werden.

Obergasse und Unionskirche

Aber auch abseits des König-Adolf-Platzes und dem Hexenturm gibt eines Menge zu entdecken. Am Killingerhaus vorbei führt die Obergasse hinauf bis zum Höerhof. Der Höerhof wird auch gerne als das Schlösschen bezeichnet, da der Erbauer, Henrich Heer vor 400 Jahren auch Architekt vom Schloss war und zwischen beiden Gebäuden eine gewisse Ähnlichkeit besteht. Heute ist der Höerhof ein Hotel und Restaurant.

Über den gegenüberliegenden Fröhlenberg kommst du noch an einem weiteren Schmuckstück vorbei und stößt dann wieder auf die Obergasse, Ecke Kaffeegasse. Aber bevor du die Kaffeegasse erkundest, gehe noch mal ein Stückchen zurück Richtung König-Adolf-Platz.

Hier findest du gegenüber dem Deutschen Haus und direkt neben dem Gasthaus zum Schwanen noch die Unionskirche, in die du unbedingt einen Blick werfen solltest. Außen schlicht, bringt sie ihre Besucher beim Betreten ins Staunen. Die Kirchendecke illustriert mit der Bibelgeschichte und die Kanzel getragen von Samson dem Starken – wirklich ein sehenswertes Kleinod aus dem 14. Jahrhundert. Derzeit wird sie gerade umfassend renoviert, aber selbst mit den ganzen Gerüsten und Handwerkern im Raum ist es irgendwie ein magischer Moment, wenn du in der Mitte der Kirche stehst und die einfallenden Sonnenstrahlen alles um dich herum in ein sanftes Licht eintauchen.

Die barocke Vorstadt

Vom König-Adolf-Platz führt die Himmelsgasse zum Marktplatz. Wir biegen aber erst mal rechts in die Felix-Lahnstein-Straße, die ehemaligen Judengasse ab. Im ersten Haus befand sich noch bis 1939 die Synagoge von Idstein.

Die Felix-Lahnstein-Straße und auch die benachbarte Borngasse, Weiherwiese und Kreuzgasse gehören zur barocken Vorstadt. Ein Geflecht von Kopfstein gepflasterten Gassen und Fachwerkhäusern mit hölzernen Hoftoren, den typischen steinernen Eingangstreppen und kleinen Fenstern.

Gerade früh morgens, wenn die Sonne noch nichts so hoch steht lohnt sich ein Spaziergang durch dieses mittelalterliche Labyrinth. Licht und Schatten spielen mit deiner Fantasie und du fühlst dich zurück versetzt in alte Zeiten. Gedankenverloren, holt dich dann ein freundliches „Guten Morgen“ zurück in die Gegenwart und du blickst in die sanften Augen einer älteren Dame, die ihren Kopf aus einem geöffneten Fenster streckt. Richtig schön verträumt ist auch Kreuzahlen, ein kleiner begrünter Weg zwischen der Kreuzgasse und Weiherwiese.

Unweigerlich läufst du auch mehrmals an den gleichen kleinen Häuschen vorbei, da doch alles irgendwie mit einander verbunden ist, aber jedes Mal entdeckst du andere interessante Details. Nicht zu letzt liegt das auch an den kleinen Verbindungsgässchen zwischen zwei Straßen. Eigentlich nur ein kleiner Schlitz in einer Wand und beim näheren Hingucken entdeckst du tatsächlich einen Durchgang, der irgendwo ein Ende hat.

Überall in Idstein findest du solche kleinen Durchgänge wie zum Beispiel zwischen der Felix Lahnstein-Straße und der Obergasse. Die Verbindungsgassen zwischen zwei Straßen werden auch als Äldchen (bin mir nicht sicher, ob es so richtig geschrieben wird) bezeichnet und waren früher nötig um bei Bränden Eimerketten zu bilden, um das Wasser vom Stadtbrunnen schneller zum Brand transportieren zu können.

Es heißt, ein Äldchen darf nur so eng sein, das ein Mann noch da durch gehen kann. Einmal wollte aber ein Bauer seine Kuh durch ein Äldchen treiben und die ist dummerweise stecken geblieben. Ich habe Gott sei Dank durch gepasst und stand dann bei meinem ersten Straßenhopping wieder auf der Obergasse und bin diesmal rechts in die Kaffeegasse abgebogen.

Schreckköpfe und Neidköpfe

Der historische Kern von Idstein ist überschaubar, aber überall findest du interessante Details wie die wunderlichen Gesichter, die dich von den Fachwerkfassaden anstarren. Eigentlich ein Brauch aus dem Keltischen, haben die Handwerker im Mittelalter diese Kunst übernommen. Die Schreckköpfe und Neidköpfe sollen die bösen Geister, Neid und Missgunst fern halten.

Meine Gedanken zum Schluss

Idstein ist ein herrlich verträumtes Städtchen mit einem wunderbaren mittelalterlichen Stadtkern. Die tolle Atmosphäre zieht dich sofort in ihren Bann und lässt dich tief in die Geschichte eintauchen. Hier kannst du auch locker einen Tag verbringen. Lass dich einfach durch die Altstadt treiben, trink einen Cappuccino in einem der vielen Cafés oder mach eine Wanderung zur nahegelegenen Grenzbefestigung.

Welche tollen Altstädte kennst du noch, die man sich unbedingt anschauen sollte? Ich freue mich auf deine Empfehlung in einem Kommentar unter diesem Artikel.

6 Kommentare:
  1. Ich liebe die Idsteiner Altstadt auch wenn ich Camberger bin und habe auch mal zwei Jahre in Idstein gewohnt….in Idstein habe ich Abitur gemacht und durfte noch das „alte“ Schloss als Schule nutzen (nicht zuletzt durch unsere Protestaktion „Wir bleiben im Schloss“ 1981, Ich kenne Idstein noch mit Lkw-Verkehr durch die Altstadt anno 1980 – gruselig. Toll, was die Idsteiner in diesen fast 40 Jahren daraus gemacht haben.

    Peter Reimer · August 16, 2017
    • Ui das klingt ja spannend. Da war ja in Idstein richtig was los zu deiner Zeit.
      LKWs in der Altstadt braucht auch keiner. Dagegen ist es jetzt richtig schön idyllisch.

      Hab noch einen schönen Tag Peter.

      Viele Grüße
      Nicole

      Nicole Manstedt · August 17, 2017
  2. Hallo Nicole,
    ich habe selbst über 30 Jahre lang in Idstein gewohnt.
    Das Wort „Ählchen“ ist die Verkleinerungsform von „Ahlen“. Du hast selbst den Namen „Kreuzahlen“ genannt.
    Die „Grenzbefestigung“, die Du erwähnst, ist natürlich der römisch-germanische Grenzwall „Limes“, der auch nach 2.000 Jahren an vielen Stellen gut zu sehen ist. Zwischen Idstein und dem Ortsteil Dasbach wurde sogar ein ehemaliger Wachturm wieder aufgebaut und auf dem Gelände eines ehemaligen Römerkastells beim Ortsteil Heftrich findet dreimal im Jahr der „Alteburger Markt“ statt – einer der ältesten Märkte Deutschlands.

    Thomas Porombka · August 16, 2017
    • Hallo Thomas,

      vielen Dank für die Erklärung und tolle Ergänzung. Den Grenzwall wollte ich mir auch anschauen, das hatte aber an dem Tag nicht mehr hingehauen. Aber wer weiß, vielleicht schreibe ich ja noch mal einen Artikel, der dann in die Rubrik „Wandern“ fällt. Auf jeden Fall ist Idstein ein wunderschönes sehenswertes Städtchen.

      Wünsch dir noch einen schönen Tag.

      Viele Grüße,
      Nicole

      Nicole Manstedt · August 16, 2017
  3. I love it!!!!!!!! Now I know I definitely need to see this town ASAP!!!

    Lolo · April 06, 2017
    • Hello Lorelei,

      so kind of you that you visited my blog. Yes Idstein is really a city like from a fairy tale and absolutely worth a visit. Tell me, can I speak German with you? I’ve read on your blog that you speak so many languages and my English is horrible. Just for the next time. I would be glad to stay in touch and to inspire each other. Have a nice day.

      Cheers Nicole

      Nicole Manstedt · April 06, 2017

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