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Das zauberhafte Städtchen Marburg am Fuße der Lahn

Das zauberhafte Städtchen Marburg am Fuße der Lahn

Nicole Manstedt · 20.08.2017 · Deutschland, Europa, Marburg

Für Marburg brauchst du festes Schuhwerk an den Füßen. Es geht ständig bergauf und bergab. Durch malerische Gassen und über verwinkelte Treppen bis hoch zum Residenzschloss und wieder zurück zur Unterstadt. Umgeben von mittelalterlichen Mauern gibt es unfassbar Schönes zu entdecken. Die wundervolle Aussicht vom Lutherischen Kirchhof, charmante Ecken wie den Rübenstein, die Nikolaistrasse mit dem steinernen Hochzeitshaus oder auch die malerische Kugelgasse mit den wild bewachsenen Vorgärten.

Ich mache den Ausflug an einem Sonntag im April mit sonnigem Wetter und frühlingshaften Temperaturen – die besten Voraussetzungen für einen Altstadt-Trip und ein paar schöne Fotos für Instagram und den Blog.

Im Grunde genommen weiß ich nicht viel über Marburg. Nur das es eine Universitätsstadt ist und die Gebrüder Grimm hier studiert haben. Das wird auch schnell deutlich, da ich auf meiner Erkundungstour immer wieder den Grim-Dich-Pfad kreuze, auf dem mir illustre Gestalten aus Grimms Märchen begegnen. Der Wolf und die 7 Geißlein an einer Mauer auf dem Weg zur Altstadt, der Froschkönig auf der Wasserscheide oder Aschenputtels Schuh, der unübersehbar den Weinberg am Schloss ziert.

Ich starte an der Elisabethkirche, das erste markante Gebäude nach dem Bahnhof, das mir ins Auge sticht. Die Elisabethkirche ist eine Marienkirche und wurde im 13. Jahrhundert vom Deutschen Ritterorden errichtet. Sie ist auch Ruhestätte der Heiligen Elisabeth von Thüringen, eine fromme Frau aus dem Mittelalter, die sich für die Bedürftigen und Armen der Stadt stark gemacht hat. Zu Lebzeiten vom Volk für ihre Barmherzigkeit geliebt und vom Adel für ihre radikalen Armutsgedanken als Wahnsinnige abgestempelt wurde sie nach ihrem Tod zur Schutzpatronin der katholischen Kirche. Heute ruht sie neben adeligen Landgrafen.

Ich hätte ja auch mal einen Blick ins Innere geworfen, wenn nicht gerade eine Gruppe von wild fotografierenden Japanern das ehrwürdige Gebäude gestürmt hätten. So überquere ich die Kreuzung und mache mich auf den Weg zur Oberstadt.

Von der Unterstadt zur Oberstadt

Oberstadt? Das erinnert mich irgendwie an Lissabon und tatsächlich gibt es sogar einen Aufzug, der dich von der Unterstadt zur Oberstadt und der eigentlichen Altstadt mit dem Schloss bringt. Nur nicht so schön wie der Elevador de Santa Justa in Baixa. Ich verzichte und nehme den steilen Weg hoch zur Wettergasse auf mich, wo die Altstadt einladend auf mich wartet.

Vorbei am Oberstadt-Aufzug, mit dem man wieder runter zur Unterstadt gelangt und weiter in die Reitgasse zum Cafe Vetter, wo ich mir erst mal ein schönes Frühstück gönne.

Frisch gestärkt inspiziere ich den Kornmarkt und die alte Universität, von der ich leider kein Bild gemacht habe. Aber zumindest kann ich dir sagen, dass die Kirche daneben noch mal ein halbes Jahrtausend älter ist.

Hirschgraben

Auf der anderen Straßenseite entdecke ich einen schmalen Weg. Ein paar Treppenstufen die zwischen zwei hübschen Fachwerkhäusern mein Entdeckerherz höher schlagen lassen. Ohne zu wissen wo mich der Weg hinführt, gehts los.

Irgendwie kann ich auch an keiner Gasse vorbei gehen. Umso enger und verwinkelter sie ist, umso neugieriger werde ich auf das was sich am anderen Ende verbirgt. Meist ganz wundervolle Plätze wie der Hirschgraben, hinter dem alten Rathaus. Wie durch ein Labyrinth schlängeln sich hier die kleinen Gassen an steinernen Fassaden und Fachwerkhäusern vorbei.

Marktplatz und Rathaus

Über den Hirschgraben komme ich dann auch zum Marktplatz. Hier hat vor über 700 Jahren die gute Sophie von Brabant, Tochter von der frommen Elisabeth, einfach mal ihren vierjährigen Sohn zum Landgrafen ausgerufen und das war dann auch die Geburtsstunde von Hessen. Zumindest ist das die Kurzfassung. Ich schau mich hier noch ein wenig um. Ein schöner Platz mit erstaunlich hohen Fachwerkhäuser, darin verborgen nette Cafés und Restaurants.

Der Charme von Marburg

Dann entdecke ich ein Schild „Zum Schloss“ und wieder mal gehts bergauf. Noch so eine Gemeinsamkeit zu Lissabon, das ja auch auf 7 Hügeln errichtet wurde, aber das wars dann auch schon mit den Ähnlichkeiten. Marburg hat seinen eigenen Charme und überzeugt mich ab der ersten kleinen Seitengasse.

Kleine Seitengassen gibt es in Marburg viele. Manchmal nur ein Spalt zwischen zwei Hausfassaden, dann wieder ein paar Treppenstufen. Alles ist so herrlich schön verwinkelt und und an jedem Ende warten weitere spannende Orte.

Nikolaistraße und Hochzeitshaus

In der Nikolaistraße steht das Hochzeitshaus, ein imposantes steinernes Gebäude, das aber überhaupt nichts mit seinem Namen gemein hat. Das Haus mit den 6 markanten Türmen war immer ein Wohnhaus und Hochzeiten werden im Rathaus gefeiert.

Die Häuser in Marburg wurden bis zum Ende des 19. Jahrhunderts aus Holz im Fachwerkstil gebaut. Häuser aus Stein konnten sich nur die Reichen und Adeligen leisten. Das ist dann auch schon der Grund für die besonderen Namen.

Lutherischer Kirchhof und Rübenstein

Die Nikolaistraße bringt mich zum Lutherischen Kirchhof mit wundervoller Aussicht über Marburg. Hier blicke ich auf die Dächer der Altstadt und den Rübenstein, eine kleine Wohnsiedlung mit liebevoll restaurierten Fachwerkhäusern und wildbewucherten Gärten, die ich auch gleich mal näher inspiziere. Über eine kleine Wendeltreppe gehts in den wilden Garten von Marburg, mit verwinkelten Wegen und schnuckelig kleinen Hinterhöfen. Ein Ort wie aus einer anderen Welt.

Kugelgasse und Kugelkirche

Raus komme ich ein wenig später in der Kugelgasse, die geradewegs zur gleichnamigen Kirche führt. Auch wieder so eine lustige Geschichte. Früher lebten hier die Kugelherren, die ihren Namen wegen ihrer kugelförmigen Kopfbedeckung erhielten. Drumherum hübsche Häuser mit wild bewucherten Eingängen. Alles so idyllisch schön.

Ritterstraße und Schloss

Die Kugelgasse führt nach einer steilen Kurve in die Ritterstraße. Ritterstraße deswegen, weil der Landgraf seine adligen Burgmannen unterhalb des Schlosses angesiedelt hat. Diese haben sich dann um wichtige Aufgaben aus Politik, Militär oder Verwaltung gekümmert.

Über die Ludwig-Bickell-Treppe erklimme ich die letzten paar Meter zum Schloss. Puh, in Marburg kommt man ganz schön ins schwitzen, wenn man was sehen will. Aber es lohnt sich. Von hier oben blicke ich auf den schiefen Turm der Lutherischen Kirche und den Rest von Marburg. Ein wahrlich malerischer Ort.

Zurück zur Unterstadt gehts wieder über den Steinweg, wo ich noch einen kurzer Abstecher nach Zwischenhausen mache. Ein lustiger Straßenname. Noch lustiger ist aber das Gleis 9 3/4 das ich an einer der Hauswände vorfinde.

Marburg ist wie ein bunt illustriertes Geschichtsbuch mit Märchenhaften an Häusern, Treppen und Mauern. Ein Spaß für die ganze Familie. Der Weg von der Unterstadt zur Oberstadt und zum Schloss führt über 400 Stufen und insgesamt habe ich 109 Höhenmeter überwunden, vollgepackt mit jeder Menge herrlicher Ansichten.

Was hast du in Marburg entdeckt? Schreibe es mir doch in einen Kommentar unter diesen Artikel.

6 Kommentare:
  1. Ein schöner und interessanter Bericht über meine Heimatstadt. Da kommt doch gleich etwas Heimweh auf 😔 und ich merke, dass ich schon viel zu lange nicht mehr da war. Schön, wenn eine Reisereportage so etwas auszulösen vermag. Danke dafür 🤗

    Susanne Hauser · August 26, 2017
    • Ganz lieben Dank Susanne. Das freut mich riesig, das dir mein kleiner Altstadtbericht über Marburg gefällt.
      Marburg ist aber auch eine ganz tolle Stadt mit so vielen schönen Ecken. Hab noch ein wundervolles Restwochenende.

      Liebe Grüße
      Nicole

      Nicole Manstedt · August 26, 2017
  2. Marburg…Ist einfach eine wunderschöne und romantische Stadt. Bin immer wieder gerne dort. Deine Großartige inspirierende Reisereportage zeigt Marburg von einigen interessanten Blickwinkeln, die ich noch nicht so kenne. Vielen Dank! Für deinen stimmungsvollen Bericht.

    Marc Ostermann · August 26, 2017
    • Da stimme ich dir absolut zu Marc. Freut mich sehr, das ich dir noch ein paar Ecken zeigen konnte, die du noch nicht kennst.
      Wünsch dir noch ein schönes Restwochenende.

      Liebe Grüße
      Nicole

      Nicole Manstedt · August 26, 2017
  3. Hallo Nicole,
    Dein toller Bericht über Marburg veranlasst mich, ganz spontan am Sonntag einen Ausflug dorthin zu unternehmen ! Vielen Dank dafür !

    Ralf Otterbein · August 25, 2017
    • Oh wie schön Ralf, das ist ja mal ein tolles Kompliment 🙂
      Da wünsche ich dir ganz viel Spaß, sonniges Wetter und freue mich
      auf deine fotografische Sicht der Stadt.

      Liebe Grüße,
      Nicole

      Nicole Manstedt · August 25, 2017

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