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Torbogen des Fung Ying Sin Koon Tempel mit knallroten Säulen und verzierten roten Dach. Im Hintergrund die Hochhäuser von Hongkong

Faszination Hongkong (Teil 3) – Tradition im urbanen Dschungel

Nicole Manstedt · 24.02.2016 · Asien, China, Hongkong

Nachdem es in Teil 1 meiner Hongkong-Reihe Vorplanung und erste Schritte auf fremden Boden um die Vorbereitung deiner Hongkong-Reise ging und ich dir in Teil 2 Unterwegs in der Stadt am duftenden Hafen verraten habe, wie du vom Airport ins Zentrum kommst und welche Möglichkeiten der Fortbewegung es gibt, nehme ich dich in Teil 3 mit auf eine spannende und manchmal auch skurrile Reise in eine Welt voller Aberglaube, mächtiger Götter und wunderschöner Tempel. Viel Spaß beim Lesen.

Inhalt

  1. Man Mo Tempel – Riesige Räucherstäbchen und Opfergaben
  2. Fung Ying Sin Koon Tempel – Letzte Ruhestädte von Grandmaster IP Man
  3. Che Kung Tempel in den New Territories
  4. Ten Thousand Buddhas Monastery
  5. Chi Lin Nunnery im Nan Lian Garden
  6. Po Lin Kloster auf Lantau
  7. Tin Hau Tempel
  8. Meine Gedanken zum Schluss

Man Mo Tempel – Riesige Räucherstäbchen und Opfergaben

Der Man Mo Tempel in der Hollywood Road auf Hong Kong Island war der erste Temple, den wir besichtigt haben und für mich auch der erste Tempel überhaupt, den ich je von innen gesehen habe. Der Man Mo Tempel ist ein taoistischer Tempel, der gleich zwei Gottheiten, dem der Literatur (Man) und dem des Krieges (Mo) gewidmet ist.

Er ist nicht sehr groß, aber sobald man über die Schwelle tritt, ist man in einer anderen Welt. Überall Kerzen, Räucherspiralen, die von der Decke hängen und jede Menge Rauch. Mir sind sofort die kleinen roten Zettel, die in der Mitte einer jeden Räucherspirale hängen, aufgefallen. Später habe ich in Erfahrung gebracht, dass es sich hierbei um die Gebete der Gläubigen handelt, welche mit dem Rauch zu den Göttern getragen werden sollen.

Wir standen hier nun inmitten von gläubigen Menschen, die alle wahrscheinlich einem ganz normalen Beruf nachgehen, Mobiltelefone, Computer oder Autos besitzen und beobachteten, wie sie am Altar Opfergaben in Form von Blumen, Obst, sogar angebrochenen Getränken und komplett zubereitete Mahlzeiten darlegten. Mit den Gaben sollen die Seelen der Toten ernährt und die Götter besänftigt werden. Spätestens hier fängt eine andere Welt an, die man vielleicht nicht immer versteht, einen aber gleichermaßen auch faszinieren wird.

Du findest den Tempel eingebettet inmitten der Hochhäuser auf der Hollywood Road auf Hong Kong Island (nächst gelegene MTR Station: Sheung Wan). Er ist täglich von 8 – 18 Uhr geöffnet und kostet keinen Eintritt.

Fung Ying Sin Koon Tempel – Letzte Ruhestädte von Grandmaster Ip Man

Gleich gegenüber der MTR Station in Fanling steht der daoistische Fung Ying Sin Koon Tempel, Schauplatz vieler Filme und letzte Ruhestätte von Grandmaster IP Man, dem berühmten Lehrer von Bruce Lee. Obgleich wir sein Grab nicht gefunden haben, gehört der Fung Yin Sin Koon Tempel zu einer der prachtvollsten in Hongkong. Schon wenn man aus der MTR Station rauskommt, kann man sein leuchtend rotes Dach sehen. Dann muss man nur noch auf die andere Straßenseite und steht vor dem kleinen Hügel, auf dem der Tempel von der Drachentorsekte erbaut wurde.

Wenn man im Man Mo Tempel noch glaubte, dass es verrückter nicht werden kann, so wird man hier eines Besseren belehrt. Wie in vielen anderen Tempeln auch, ist er für die Einheimischen ein Ort der Weissagungen und Prophezeiungen. Sie kommen hier her, um sich von Wahrsagern die Zukunft und sogar die Lottozahlen vorhersagen zu lassen, bringen ihre Opfergaben dar und verbrennen in einem riesigen Ofen, den man fast an jeder Tempelanlage vorfindet, säckeweise Papier.

Auf dem sogenannten Joss Paper, auch Höllengeld genannt, werden alle möglichen Gegenstände wie Häuser, Autos, Fernseher, Kleidung oder auch Geld abgebildet. Diese sollen wie die Gebete im Man Mo Tempel durch den Rauch, der beim Verbrennen des Papiers entsteht, ins Jenseits gelangen, um so die Wünsche und Bedürfnisse der Toten zu erfüllen. Für uns ein verrückter Aberglaube, aber in Hongkong ein Geschäft, denn das Papier kann man bündelweise in Geschäften oder bei den zahlreichen Händlern vor den Tempelanlagen kaufen. 

Noch ein kleiner Tipp: In der MTR Station gibt es kurz vor dem Ausgang auf der rechten Seite den Sushi-Take-Out mit einer tollen Auswahl an Makis und Nigiris. Bevor wir uns die Tempelanlage angeschaut haben, habe wir es uns auf einer Bank außerhalb des Geländes gemütlich gemacht und erst einmal zu Mittag gegessen.

Che Kung Tempel in den New Territories

Der Che Kung Tempel ist dem General Che gewidmet. Er hat zu Zeiten der Song Dynastie eine Revolte gegen den damaligen Kaiser niedergeschlagen und wird für seinen Mut in Südchina immer noch stark verehrt. In der großen Gebetshalle steht eine beeindruckende goldene Statue von ihm.

Die Besichtigung des Tempels haben wir mit einem Besuch des Heritage Museums in den New Territories verbunden und uns die Ausstellung “Bruce Lee: Kung Fu. Art. Life” zu Ehren seines 40. Todestages angesehen. Von der MTR Station Che Kung Tempel sind es vom Ausgang A nur ca. 5 Gehminuten über die Fußgängerbrücke zum Museum. Die Ausstellung wird noch bis zum 20. Juli 2018 gezeigt.

Ten Thousand Buddhas Monastery

Das Kloster der Zehntausend Buddhas liegt auf einem kleinen Hügel in Shatin in den New Territories nur wenige Meter von der gleichnamigen MTR Station entfernt. Der Weg zum Kloster ist ausgeschildert und leicht zu finden. Der Aufstieg zur Klosteranlage dagegen ist anstrengend, da es teilweise sehr steil nach oben geht. Wenn du eine Verschnaufpause brauchst, hast du aber alle paar Meter die Möglichkeit dich auf einer Bank auszuruhen und kannst einfach die unzähligen Buddha-Figuren, die den gesamten Weg nach oben säumen, bewundern.

Es gibt stehende und sitzende Buddhas, lachende Buddha, betende Buddha, hagere und dicke Buddha-Figuren, Buddhas, die meditieren, lesen oder etwas lehren, Buddhas mit langen Gewändern oder in Kriegsrüstung. Buddhas, die etwas in den Händen halten und Buddhas mit langen Bärten. Teilweise skurril, aber auch sehr amüsant.

Oben angekommen wirst du zum einen mit einer atemberaubenden Aussicht auf das umliegende Tal und mit einer wunderschönen Tempelanlage bestehend aus 5 Tempeln, 4 Pavillons und einer Pagode, belohnt. In der Haupthalle stehen drei große mit Gold überzogene Buddha-Statuen, umgeben von tausenden kleinen Buddha-Figuren, die von Gläubigen gespendet wurden. Auf dem Tempelplatz findest du weitere goldene Buddha-Figuren, bunt bemalte Beton-Figuren, welche die 18 wichtigsten Schüler Buddhas verkörpern, sowie ein großer weißer Elefant der Gottheit Pu Xian und der blaue Löwe des Weisen Wen Shu. Es sind eigentlich weit mehr als 10.000 Buddha-Figuren, aber die Zahl 10.000 ist auch symbolisch gemeint und steht im Chinesischen für die Unendlichkeit.

Wenn du dann weiter nach oben wanderst, gelangst du zu den Ahnenhallen, in deren Wandnischen wieder die Urnen der Toten eingelassen sind. Diesmal mit goldenen Tafeln verschlossen, auf denen ebenfalls eine Buddha-Figur geprägt ist. Hier befinden sich auch noch vier weitere kleine Tempel, die allerdings durch einen Erdrutsch stark beschädigt wurden und nun mühevoll wieder aufgebaut werden.

Wenn du Glück hast, kannst du hier auch freilaufende Affen beobachten. Den Einheimischen ein Dorn im Auge, plündern sie mit Vorliebe die Altare und lassen sich dann mit ihrer Beute zwischen den Buddha-Figuren nieder.

Chi Lin Nunnery im Nan Lian Garden

Das Chi Lin Nunnery befindet sich im Nan Lian Garden in Diamond Hill und ist auf jeden Fall einen Besuch wert. Das Nonnenkloster ist ein großer Tempelkomplex aus der Tang-Dynastie inmitten der wunderschön angelegten Gartenanlage. Das besondere an der Klosteranlage ist, dass sie komplett aus Holz gebaut wurde. Im Inneren der Anlage durfte ich aus Respekt vor den Nonnen nicht fotografieren, aber manchmal ist es auch einfach mal gut die Kamera beiseite zu legen, die Atmosphäre einfach auf sich wirken zu lassen und die wohltuende Stille zu genießen.

Po Lin Kloster auf Lantau

Als wir das Po Lin Kloster auf Lantau besuchten, fanden gerade umfassende Baumaßnahmen statt, die den Blick auf die wunderschöne Tempelanlage etwas störten. Die Tempel waren teilweise mit Gerüsten umstellt, Baufahrzeuge standen herum und überall wurde gehämmert, gebohrt oder gespachtelt. Die Gläubigen ließen sich davon aber nicht beirren und so qualmten auch hier die Öfen und überdimensionale Räucherstäbchen, die wie riesige Zigarren aussahen, rauchten was das Zeug hielt.

Tin Hau Tempel

Tin Hau ist die Göttin des Meeres und damit die Schutzpatronin für Seefahrer und Fischer. Da Hongkong am Meer liegt, ist es nicht verwunderlich, dass jeder zweite Tempel an dem du vorbei läufst, dieser Göttin gewidmet ist. Oft sind es nur kleine Tempel, nicht größer als eine Garage und manchmal auch nur ein bunt geschmückter Schrein.

Meine Gedanken zum Schluss

In Hongkong findest du fast jede Religion. Von Buddhismus und Taoismus über das Christentum bis hin zu jüdischen und islamischen Gemeinden, hat hier jeder das Recht seinen Glauben auszuleben. Ich habe selten so viele unterschiedliche Glaubensrichtungen so friedlich miteinander leben gesehen. Das ist leider nicht in jedem Land selbstverständlich, hier aber problemlos vereinbar. Da steht direkt neben dem Kowloon Park eine große islamische Moschee und im Central im Schatten der Bank of China die anglikanische St. Johns Kathedrale. Die einen glauben an Gott, die anderen an Allah oder Buddha und inmitten dieser bunten Vielfalt werden den Göttern Opfer im Tempel dargebracht. Da wird beim Bau eines Hochhauses auch mal mittendrin ein Loch gelassen, damit der Drache, der dahinter im Berg wohnt, atmen kann und jedes Geschäft hat seinen eigenen kleinen Schrein der für Wohlstand und Reichtum sorgen soll.

Für mich war es eine tolle Erfahrung in diese andere Glaubenswelt eintauchen zu können. Manchmal total skurril, aber dann auch wieder sehr spirituell und immer faszinierend.

Welchen Tempel hast du in Hongkong besichtigt? Was denkst du über den Kult mit den Göttern? Hinterlasse gerne einen Kommentar.

In Teil 4 meiner Faszination Hongkong-Reihe Stille in der Megametropole erfährst du, wo du dich in Hongkong entspannen kannst und etwas Ruhe in der Großstadt findest.

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