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Die grausame Wahrheit in der Gedenkstätte Topographie des Terrors

Berlin – Mahnmale des Nationalsozialismus (Teil 2): Die grausame Wahrheit

Nicole Manstedt · 05.06.2016 · Berlin, Deutschland, Europa

Nicht weit vom Potsdamer Platz entfernt befindet sich die Gedenkstätte Topographie des Terrors. Auf dem Gelände befanden sich im Dritten Reich die Zentralen der Geheimen Staatspolizei, der SS und des Reichssicherheitshauptamtes. Heute kann man sich in einer Dauerausstellung über die Wahrheit des NS-Regimes und ihre grausamen Folgen informieren.

Inhalt

  1. Die Saat des Bösen
  2. Des Teufels Untertanen
  3. Die Schreckensherrschaft des falsche Propheten
  4. Meine Gedanken zum Schluss

Die Saat des Bösen

Wir beginnen draußen entlang der Mauerreste und erhalten einen umfassenden Überblick über die Weimarer Republik bis zu den Anfängen des nationalsozialistischen Staates nach der Wirtschaftskrise, die 1929 in den USA ihren Ausgang nahm. Wir erfahren, wie die NSDAP an die Macht kam, 1933 Adolf Hitler zum Reichskanzler ernannt wurde und seine Führerdiktatur aufbaute. Gefolgt von der Abschaffung der Meinungsfreiheit, dem Außer-Kraft-Setzen wichtiger Grundgesetze und der Gründung der Geheimen Staatspolizei begann der Terror in den Straßen. Ich bin entsetzt. Mir ist es unbegreiflich wie eine solche Ideologie sich überhaupt in den Köpfen der Menschen festsetzen konnte, aber Propaganda und die systematische Verfolgung aller Menschen, die nicht ins nationalsozialistische System passten oder sich Hitlers Zielen nicht unterordnen wollten, schürte die Angst und gleichermaßen den Hass. Die Volksgemeinschaft wurde zum höchsten Gebot und die reine arische Familie war die Keimzelle, die es zu schützen galt.

Des Teufels Untertanen

Alle Menschen, die nicht dieser Ideologie entsprachen und nach Hitlers Auffassung nutzlos für die Gesellschaft waren, sollten ausgerottet werden. Darunter Juden, Roma, Sinti, Homosexuelle und auch behinderte und pflegebedürftige Menschen, die dem Euthanasie-Mordprogramm zum Opfer fielen.

Unterstützung erhielt Hitler durch Menschen wie Dr. Joseph Goebbels (Reichspropagandaleiter), Hermann Göring (Oberbefehlshaber der Deutschen Luftwaffe), Heinrich Himmler (Reichsführer SS) oder Dr. Julius Lippert (Chefredakteur der NS-Zeitung „Der Angriff“), die ihm die Kontrolle über Medien, Gewerkschaften und Militär verschafften und ihm durch Verschleierung, Lügen und Gewalt zu immer mehr Macht verhalfen, die weit über die Grenzen von Deutschland hinausging.

Die Schreckensherrschaft des falsche Propheten

Wir gehen rein. Was ich bis jetzt erfahren habe, hat mich zu tiefst erschüttert. Es ist nicht so, das ich das alles nicht wusste, aber noch nie habe ich mich so intensiv mit diesem Thema auseinander gesetzt. Ich will jetzt mehr erfahren, über die Beweggründe und wie es überhaupt dazu kommen konnte. Die ganze grausame Wahrheit.

Und ich erhalte Informationen. Von der Zerschlagung der Weimarer Demokratie über den Ein-Parteien-Staat bis zur Diktatur eines Mannes, der die Angst und Unwissenheit der Gesellschaft für sich nutzte und Hass in den Köpfen der Menschen säte. Vom systematischen Aufbau des NS-Regimes wird berichtet und von den nationalsozialistischen Organisationen. Von der Gestapo, der Geheimen Staatspolizei, über den Sicherheitsdienst (SD) bis hin zu Sonderformationen wie den Totenkopfverbänden, deren zentrale Aufgabe die Bewachung und Verwaltung der Konzentrationslager war. Über Operationen wie die Germanisierung der eroberten Ostgebiete, die Ausrottung der Juden und das Ausschalten von volksfremden Bevölkerungsteilen bis hin zum Zweiten Weltkrieg.

Die Dokumentation endet hier aber nicht, sondern beschreibt auch die Zeit nach Hitlers Suizid. Seine Schreckensherrschaft hat ihre Spuren hinterlassen, und der Machtkampf der Alliierten sowie unterschiedliche Auffassungen zum Umgang mit der Vergangenheit führten zur Spaltung der Nation und zur Gründung der DDR.

Die Ausstellung deckt einen umfassenden Teil der nationalsozialistischen Vergangenheit ab und die vielen erschütternden Zitate von Adolf Hitler oder Heinrich Himmler unterstreichen das unfassbare Ausmaß dieser diskriminierenden und überaus menschenverachtenden Ideologie.

Meine Gedanken zum Schluss

Von der nationalen Schuld und der Verantwortung für die eigene Zeit wollen viele nichts wissen. Auch ich habe mich immer gefragt, wieso ich eine Schuld auf mich nehmen soll, für die ich nicht verantwortlich bin. Ich habe zu dieser Zeit noch nicht einmal gelebt. Aber ich glaube, es geht vielmehr darum, dass man die Vergangenheit nicht ignorieren kann und sich mit ihr auseinandersetzen muss, um das schreckliche Ausmaß an menschlichem Größenwahn und dessen Folgen überhaupt begreifen zu können. Es ist wichtig, die Geschichte zu kennen, um Fehler zu vermeiden. Antisemitismus und Ausländerfeindlichkeit sind leider heute immer noch ein aktuelles Thema. Und es ist die Verantwortung eines jeden Einzelnen, nationalsozialistisches Gedankengut im Keim zu ersticken.

Bei einem unserer Besuche in Berlin fand am Brandenburger Tor eine Kundgebung unter dem Motto „Steh auf! Nie wieder Judenhass!“ statt (14.09.2014). Seit dem Gaza-Konflikt ist das Thema wieder brandaktuell und vielerorts werden Parolen gegen Juden stark. Ich bin erschüttert über die Dummheit mancher Menschen, die aus der Vergangenheit nicht gelernt haben. Auch wenn ich jegliche Art von Extremismus verabscheue, bin ich doch auch der Meinung, dass man zwischen bestimmten fundamentalistischen Gruppierungen und dem normalen Bürger unterscheiden können muss. Traurigerweise wird da oft kein Unterschied mehr gemacht.

Wenn du mehr über die Zeit nach Hitlers Sturz wissen willst empfehle ich dir meine Artikel-Reihe „Berlin – Zeugnisse des Kalten Krieges“. In Teil 1 „Die Utopie des Sozialismus“ erfährst du mehr über das Leben und den Alltag in der ehemaligen DDR. (Diese Artikel-Reihe folgt noch)

Wenn du aber erst mal wissen möchtest, wer hinter dem Zitat „Dies war ein Vorspiel, nur dort, wo man Bücher verbrennt, verbrennt man am Ende auch Menschen.“ steckt, geht es hier weiter mit Teil 3 meiner Artikel-Reihe Berlin – Mahnmale des Nationalsozialismus: Vorspiel zum Mord.

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