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Nachts vorm Rijksmuseum Amsterdam

Rijksmuseum Amsterdam – Das düstere Geheimnis der Nachtwache

Nicole Manstedt · 10.09.2016 · Amsterdam, Europa, Holland

Im Rijksmuseum Amsterdam findest du 8.000 Kunstobjekte verteilt auf 80 Säle, die dir die 800-jährige Geschichte Amsterdams näher bringen. Viele niederländische Meister des 17. Jahrhunderts haben hier ihren Platz gefunden und berichten aus der Blütezeit Hollands.

Inhalt

  1. Die Nachtwache – Rembrandts Geniestreich
  2. Die unbekannte Frau aus dem Hotel
  3. Der kühne Avantgardist
  4. Meine Gedanken zum Schluss

Die Nachtwache – Rembrandts Geniestreich

So auch Rembrandt’s berühmtes Gemälde Die Nachtwache, die Hauptmann Frans Banning Cocq mit seiner Schützenkompanie zeigt. Das Bild sollte den Festsaal der Amsterdamer Kloveniersgilde schmücken, um so deren Mitglieder zu ehren. Doch stattdessen verbirgt sich ein düsteres Geheimnis hinter den dicken Farbschichten.

Bei näherer Betrachtung wirkt es so, als ob die Schützen völlig wahllos auf dem Platz herumstehen. Nicht in Reih und Glied wie man es von einer Kompanie, die gleich zum Marsch aufbricht, erwarten würde. Auch ihre Schatten zeigen in unterschiedliche Richtungen. Es scheint, als ob die Szenerie von verschiedenen Seiten beleuchtet wird, so wie es auf einer Theaterbühne der Fall ist. Das Bild gleicht einer Inszenierung. Das gespielte Stück zeigt die Amsterdamer Bürgerwehr, die sich unter dem Regime des Hauptprotagonisten Hauptmann Frans Banning Cocq zu einer vermeintlichen Waffenübung versammelt hat. Jedoch ist dies nicht der Fall. Vielmehr handelt es sich um eine Verschwörung zum Mord. Neben dem Soldat in der weißen Uniform ist ein Gewehrlauf zu sehen, aus dem später ein Schuss abgegeben wird. Dieser Schuss wird jemanden töten und alle Anwesenden wissen es.

2006 drehte Regisseur Peter Greenaway zum 400. Rembrandt-Geburtstag einen Film über die „Nachtwache“ – eine gewagte Theorie oder doch nur Fiktion? Rembrandt als Zyniker und Kommentator des sozialen Lebens. Er verachtet die feine Gesellschaft des Goldenen Jahrhunderts, die sich wie die Mafia über ganz Europa hinwegsetzt, ihre eigenen Gesetze macht und das Land regiert. Mehr zu den oligaischen Regentenfamilien seiner Zeit erfährst du in der Porträt Galerie der Hermitage.

Die unbekannte Frau aus dem Hotel

Seit unserem Aufenthalt im Hotel del Europe rätsle ich, wer die jungen Frau auf dem Gemälde in unserem Zimmer war. Jetzt zwei Jahre später finde ich ihr Gesicht auf einem Gemälde von Frans Hals wieder. Frans Hals war ebenfalls ein holländischer Maler des 17. Jahrhunderts und einer der bedeutendsten Porträtmaler seiner Zeit. Trotzdem litt er sein gesamtes Leben lang unter Geldmangel, was bezeichnend für die Künstlergilde war. Verrückt wenn man bedenkt das heute Werke von ihm, Rembrandt oder Vermeer Millionen wert sind und in Museen hängen.

Der kühne Avantgardist

Cornelis Corneliszoon van Haarlem war ein Avantgardist seiner Zeit. Ein niederländischer Maler des Manierismus, einer Kunstrichtung, die geprägt war von artifiziellen, fast übertriebenen Merkmalen. Wo sich die Renaissance-Malerei an schönen und ebenmäßigen Formen bediente, setze der Manierismus auf eine kontrastreichere Farbgestaltung, überlängte Proportionen und eine teils unnatürliche Körperhaltung in bizarren Bildräumen.

Neben Porträts malte van Haarlem mythologische und biblische Themen wie den Kindermord in Betlehem, das mich in seiner Detailreiche sofort in seinen Bann zieht. Die pathetische Darstellung, der von König Herodes angeordneten Tötung aller männlichen Kleinkinder in Bethlehem war im Wandel des damaligen Weltbildes, hervorgerufen durch politische und wirtschaftliche Veränderungen in Europa, begründet.

Künstler wie van Haarlem strebten nicht mehr nach der Vollkommenheit der Renaissance, sonder vielmehr nach Komplexität und Vieldeutigkeit. Nicht mehr die Schönheit der Natur stand im Vordergrund sondern die Exzentrik des Künstler selbst.

Meine Gedanken zum Schluss

Wenn du dich für Kunst interessierst, wirst du im niederländisches Nationalmuseum am Museumplein deine wahre Freude haben. Hinter dicken Ölgemälden und steinernen Skulpturen verbergen sich spannende Geschichten, die im Rijksmuseum Amsterdam lebendig werden und oftmals über Farbe und Technik hinaus verborgene Geheimnisse lüften. Du musst nur genau hinschauen.

Das Rijksmuseum Amsterdam hat täglich von 9:00 bis 17:00 geöffnet. Freitags, samstags und sonntags musst du generell mit sehr langen Wartezeiten rechnen. Wenn du dir also Rembrandts Nachtwache in Ruhe anschauen möchtest, empfehle ich dir den Besuch im Rijksmuseum Amsterdam gleich morgens um 9 Uhr, wenn das Museum öffnet, einzuplanen. Der Eintritt beträgt 17,00 Euro und leider erhältst du mit der I Amsterdam Card auch nur einen Rabatt, aber dennoch sollte bei einem Amsterdam Besuch das Rijksmuseum Amsterdam unbedingt auf deiner Liste stehen.

Informationen zum Museum:

Rijksmuseum Amsterdam 
Museumstraat 1 1071 XX 
Amsterdam

Öffnungszeiten: 
täglich 9-17 Uhr

Eintrittspreis: 
Erwachsene: 17,00 Euro 
Kinder (bis 18 Jahre): frei 
Audioguide: 5,00 Euro 
I Amsterdam City Card: 2,00 Euro Rabatt

Was hältst du von Peter Greenaways Theorie? Wahrheit oder doch nur Fiktion? Schreib es mir in die Kommentarbox.

4 Kommentare:
  1. WOW what a great post, Nicole. I would love to visit this museum one day.
    I have been to Amsterdam, but not at Rijksmuseum, but next time i will. Your post and photos have inspired me. Great work:-)
    Have a great sunday, Nicole:-)

    /Annette

    OnTrip.dk · September 11, 2016
    • Thank you so much Annette 🙂

      Nicole Manstedt · September 11, 2016
  2. Wow Nicole,
    Ich bin echt beeindruckt. Ein schöner, informativer und super-professionell gemachter Blog.

    Peter · September 11, 2016
    • Guten Morgen, Peter,

      na ja, ich habe leider durch meinen Job viel zu wenig Zeit für den Blog und würde gerne mehr machen, aber solch liebe Kommentare machen richtig Freude. Ganz lieben Dank und hab einen tollen, entspannten Sonntag.

      Liebe Grüße,
      Nicole

      Nicole Manstedt · September 11, 2016

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