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Entdecke Würzburg - Ein Tag in der Stadt der Türme und Kuppeln

Entdecke Würzburg – Ein Tag in der Stadt der Türme und Kuppeln

Nicole Manstedt · 03.09.2017 · Deutschland, Europa, Würzburg

Der Blick von der Festung Marienberg auf die Altstadt von Würzburg mit ihren vielen Kirchtürmen und Kuppeln erinnert mich ein wenig an Prag. Auch die Brücke mit den Steinfiguren und dem St.-Kilians-Dom am Ende der Domstraße sieht aus wie die kleine Schwester der Karlsbrücke. Aber natürlich hat Würzburg seinen ganz eigenen Charme, den wir heute näher erkunden wollen.

Eine Stunde Zugfahrt später und schwups sind wir auch schon in Bayern. Würzburg zeigt sich am Bahnhof nicht gerade von seiner schönsten Seite, aber wir kennen die Stadt ja schon und wissen, das wir mit einer grandiosen Aussicht und einer netten Altstadt entschädigt werden. Also lassen wir den Bahnhof schnell hinter uns und marschieren schnurstracks Richtung Innenstadt und zum Marktplatz.

Marktplatz mit Falkenhaus

Eigentlich will ich hier ein paar Bilder von der Marienkapelle machen, aber es werden gerade Zelte, Tische und Bänke fürs Weinfest aufgestellt und ich habe keine freie Sicht auf den gotischen Kirchenbau. Dafür aber auf das bezaubernde Falkenhaus mit seinen meisterlichen Stuckverzierungen. Die dreigiebeliege Rokokofassade ist schon ein echter Hingucker. Im 19. Jahrhundert erbaut, wurde es zunächst als Gasthaus genutzt und nach der vollständigen Zerstörung im Bombenhagel von 1945 wieder vorbildlich rekonstruiert. Wäre auch echt schade um dieses Prunkstück der Architektur gewesen. Heute befindet sich unter anderem die Touristeninformation in diesem schicken Ambiente. Wenn du Würzburg mit seinen vielen Sehenswürdigkeiten also noch nicht kennst, kannst du dich hier mit Informationen zur Stadt und einem Stadtplan eindecken.

Frühstück im Café Wunschlos glücklich

Von mir gibts dann auch gleich mal den ersten Tipp. Gleich in der Nähe, in der Bronnbachergasse, findest du das heimelige Café Wunschlos glücklich, wo du herrlich frühstücken kannst. Ruhig gelegen in einem Würzburger Innenhof, werden hier verschiedene Frühstücksvariationen angeboten. Mit Liebe zum Detail, äußerst lecker und zudem absolut gemütlich. Frisch gestärkt geht’s dann auch gleich wieder zurück zum Marktplatz und durch die Schusterstraße der Alten Mainbrücke entgegen.

Kuppeln und Türme von Würzburg

Aber wie immer entdecke ich noch was, dass meine Aufmerksamkeit erregt und fotografisch festgehalten werden muss. Diesmal der Blick auf die Stiftskirche Neumüster aus der Schmalzgasse gesehen. Ich liebe solche Fluchtperspektiven. Eingerahmt von Geschäftsfassaden liegt der Fokus auf der rosafarbenen Barockkirche und bietet mir ein herrliches Fotomotiv.

Kirchen gibts in Würzburg sehr viele. Direkt neben der Neumünster steht der Würzburger Dom oder auch St.-Kilians-Dom genannt und einige Straßen weiter die Neubaukirche. Wahrscheinlich bräuchte man einen ganzen Tag allein nur um alle Kirchen in Würzburg zu besichtigen.

Wir schauen uns noch den Stift Haug an, denn die Fassade mit den Doppeltürmen und der 65 Meter hohe Kuppel macht mich neugierig. Automatisch erwarte ich eine prunkvolle Inneneinrichtung wie im Petersdom, jedoch bin ich dann doch von der eher bescheidenen Schlichtheit überrascht. Durch die Glaswand blicke ich zuerst auf ein modernes Bronzekreuz und dann weiter durch das Langschiff bis auf das Altarbild. Es gibt beidseitig mehrere Seitenkapellen und die Wände zieren Ölgemälde, die den Kreuzigungsweg von Jesus oder die Evangelisten zeigen. Ein heller Raum, der eher durch seine Größe beeindruckt als durch übermäßigen Prunk.

Domstraße und Alte Mainbrücke

Über die lange Domstraße geht es weiter Richtung alte Mainbrücke am alten Rathaus vorbei. Als wir Ende 2015 zuletzt in Würzburg waren, war der Grafeneckart, wie das Rathaus auch genannt wird, von einer großflächigen Plane vor neugierigen Augen geschützt. Heute erstrahlt das Gebäude in neuem hellen Glanz. Der Grafeneckart feierte jüngst seinen 700-jährigen Geburtstag, aber die vielen Jahrhunderte sieht man ihm dank des neuen Anstrichs gar nicht an.

Festung Marienberg

Weiter geht es zur alten Mainbrücke. Von hier blicken wir auf die Festung Marienberg. Umsäumt von Weinreben liegt sie ca. 100 m über dem linken Mainufer. Um zur Festung zu gelangen gibt es mehrere Möglichkeiten. Im Winter 2015 sind wir durch das Gelände der Landesgartenschau von 1990 durch den tiefen Schnee gestapft, diesmal nehmen wir den zauberhaften Wanderweg von St. Burkard aus. Oben angekommen genießen wir erst mal ausgiebig die Aussicht auf die Altstadt mit ihren vielen Kirchtürmen und auf das gegenüberliegende Käppele.

Käppele und Nikolaushof

Laut CityMaps2Go ist das Käppele nur 15 Minuten Fußmarsch entfernt, aber das kann ich nicht wirklich glauben. Der Blick auf den gegenüberliegenden Hügel löst in mir Widerstand aus. Wir waren dieses Jahr gar nicht wandern und das merke ich auch. Meine Füße wollen nicht mehr und ich bin schlagskaputt. Nochmal den Berg runter und dann auf der anderen Seite wieder hoch?! Nee! Gott sei Dank überredet mich Frank dann doch noch zum Aufstieg, denn sonst wäre mir ein wundervolles Kleinod entgangen.

Das Käppele ist eine Wallfahrtskirche und wurde 1747 nach den Plänen von Balthasar Neumann erbaut. Über mehrere Treppen mit 14 weiteren kleinen Kapellen gelangen wir zur Hauptkirche mit ihren charakteristischen Zwiebeltürmen. Hier oben ist auch gar nicht so viel los. Wahrscheinlich weil viele andere auch keine Lust haben, zwei Mal einen Berg an einem Tag zu besteigen. Gut für mich und ich kann in Ruhe ein paar Fotos machen.

Wir steigen die letzten Stufen hoch und stehen vorm hölzernen Tor der Kirche, wo gerade ein Pärchen in Dirndl und Lederhose herauskommt. „Bitte jetzt keine geschlossene Gesellschaft wie im Limburger Dom vor ein paar Wochen“, denke ich mir und wage einen Versuch. Vorsichtig stecke ich meinen Kopf ins Innere, aber hier ist es leer. Glück gehabt. Wir treten ein.

Die opulente Innenausstattung mit den vielen Gemälden, Kunstmarmor, Stuck und Blattgold versetzt mich auch gleich ins Staunen. Das hätte ich jetzt nicht erwartet, nachdem der Stift Haug in der Altstadt eher so schlicht daher kam. Das muss ich erst mal wirken lassen und setze mich auf eine der Bänke und lasse meinen Blick schweifen. Von der Pieta in der alten Gnadenkapelle über die Muschel-Stukkaturen, zu einem Baugerüst das im seitlichen Bereich der Kirche steht und bis nach oben zu einem hellen Streifen an der Decke. Ich stehe auf um mir das näher anzuschauen.

Hier wird gerade das Deckenfresko gereinigt und die verschiedene Schmutzschichten abgetragen. Beeindruckt schaue ich auf das Farbenfest, das unter der dunklen Patina zum Vorschein kommt. So ein Restaurator hat auch keinen leichten Job. Das arbeiten mit Lösungsmitteln und ständige nach oben schauen ist sicherlich ziemlich anstrengend. Aber nach all der mühseligen Arbeit zeigt sich dann wie hell und farbenfroh das großes Freskenwerk von Matthäus Günther einst mal war. Ich kann mir gut vorstellen wie es aussehen wird, wenn die Restauratoren damit fertig sind. Den Vergleich kann man ja in ein paar Jahren mal anstellen.

Jetzt geht es erst mal ein paar weitere Meter den Berg hoch zum Nikolaushof. Eine hübsche Gaststätte mit Blick auf das Käppele und die darunter liegende Altstadt.

Residenz und Hofgarten

Gegenüber von der St. Michael Kirche befindet sich der Eingang zum Hofgarten, eine der bedeutendsten Schlossanlagen des Barocks in Europa. Unsere letzte Station auf diesem Ausflug. Leider ist es schon zu spät die Residenz zu besichtigen, aber schau dir unbedingt ein paar Bilder im Internet an. Die Räumlichkeiten sind beeindruckend. Vor allem die Eingangstreppe und die Hofkirche hätte ich gerne mit eigenen Augen gesehen, aber so lassen wir den Tag bei einem Spaziergang durch die barocke Gartenanlage ausklingen.

Würzburg hat mir in diesem Jahr meinen ersten Muskelkater beschert, aber die grandiose Aussicht auf die Stadt mit ihren vielen Kuppeln und Kirchtürmen war es absolut wert. Auch der Besuch des Käppele lohnt sich und wenn du danach vielleicht noch einen Abstecher im Nikolaushof machst ist der beschwerliche Aufstieg auch schnell vergessen.

Wenn dir der Altstadt-Bericht über Würzburg gefallen hat dann klick doch mal auf das Herz neben der Headline oder hinterlasse mir dein Feedback in einem Kommentar unter diesem Artikel. Ich freu mich auf deine Meinung und weitere Anregungen.

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