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Schloss Moritzburg

Schloss Moritzburg – Tagesausflug von Dresden zum Märchenschloss

Nicole Manstedt · 21.02.2017 · Deutschland, Europa, Sachsen

15 km nordwestlich von Dresden liegt inmitten von Teichen und Wäldern umgeben Schloss Moritzburg – ein Juwel sächsischer Barockarchitektur. 1542 von Herzog Moritz von Sachsen erbaut, später Jagd- und Lustschloss von August dem Starken und 1973 Drehort des deutsch-tschechischen Kultmärchens „Drei Nüsse für Aschenbrödel“. Schloss Moritzburg gehört zu den imposantesten barocken Schlossanlagen Mitteleuropas und ist mit seiner malerischen Parkanlage und dem rosafarbenen Fasanenschlösschen eines der meistbesuchtesten Ausflugsziele Sachsens außerhalb Dresdens.

Schloss Moritzburg

Hinter den steinernen Mauern des romantischen Schlosses mit seinen vier Rundtürmen verbergen sich kostbare Schätze von historischem Wert. Ostasiatische Lackmöbel, Meißner Porzellan, Augsburger Silbermöbel, wertvollen Malereien und der größte Bestand an bemalten, gepunzten und geprägten Ledertapeten. Alles liebevoll restauriert.

Die Ausstattung vieler Räume ist der höfischen Jagd gewidmet. August war ein Trophäensammler und leidenschaftlicher Jäger. Im lichtdurchfluteten Steinsaal zieren etliche Elch-, Rentier- und Hirschgeweihen die hohen Wände, wo früher an der langen Tafel zum Bankett geladen wurde. Ein Gemälde von Louis de Silvestre zeigt den Kurfürsten mit wallender Mähne auf einem weißen Pferd in seiner liebsten Pose als mächtigen König.

Die Wände des zweigeschossigen Audienzsaales, auch Monströsensaal genannt, sind mit großformatigen, mit Gold verzierten Ledertapeten aus dem 17. Jahrhundert bespannt. Darauf sind noch in blasser Farbe Jagdszenen zu erkennen. Die Restaurierung der 300 Jahre alten Tapeten ist Präzisionsarbeit. Anfang des 20. Jahrhunderts wurden die Ledertapeten gefettet, was zu Schäden an den Farben und am Leder selbst führte. Zudem wurden einige ursprünglich vernähte Tapeten beschnitten und unsachgemäß verklebt, die Klebekanten auch noch mit stärkehaltigen Kleistern hinterlegt, was Brot- und Pelzkäfer angelockt hat. Die alten Klebstoffreste müssen jetzt vorsichtig wieder entfernt werden, bevor sie dann auf Holzrahmen gespannt und in Millimeterarbeit wieder in ihre ursprüngliche Form gezogen werden können.

Weitere kostbare Tapeten aus gepresstem, gepunztem, poliertem und bemaltem Kalbs-, Ziegen- und Schafsleder hängen im Billardsaal. Im Lackmöbelzimmer steht auch eine der 18 Dragonervasen, die August der Starke beim Preußenkönig gegen 600 sächsische Dragoner eingetauscht hatte. Der Mann war besessen von dem weißen Gold. Die restlichen Vasen findest du in der Porzellansammlung im Zwinger.

Inmitten der mondänen Anlage von Schloss Moritzburg befindet sich auch eine kleine Schlosskapelle, verziert mit edler Stuck- und Sandsteindekoration und wunderschönen Deckengemälden. Über die Fürstenloge blickst du hinunter auf den Altaraufbau und das Gemälde „Die Himmelfahrt Mariae“, welches das ursprüngliche Bild von der „Himmelfahrt Christi“ nach dem Glaubenswechsel von August zum Katholizismus ersetzte. Die Christusfigur – der marmorne „Schmerzensmann“ – ist von Balthasar Permoser, dessen Erstfassung du vielleicht schon in der Katholischen Hofkirche in Dresden gesehen hast. Der krönende Höhepunkt, ist das Federzimmer mit dem Paradebett Augusts, aus fast zwei Millionen farbiger Federn, die zum Teil aus der eigenen Fasanenzucht stammten.

Übrigens wurden nur die Außenaufnahmen vom Schloss in „Drei Nüsse für Aschenbrödel“ in Schloss Moritzburg gemacht, der restliche Film wurde im nahegelegenen böhmischen Wald gedreht. Das Märchen wird jedes Jahr zur kalten Jahreszeit in einer Ausstellung wiederbelebt und zeigt alles rund um die Dreharbeiten des beliebten Märchenfilms. Jetzt noch bis zum 26.02.2017.

Parkanlage

Schloss Moritzburg ist umgeben von einer bezaubernden Parkanlage, die um 1730 nach den Plänen Matthäus Daniel Pöppelmann angelegt wurde. Als wir letztes Jahr im Herbst dort waren erstrahlte der Park in den buntesten Farben. Vorbei an den Sandsteinskulpturen, die die Balustrade der Terrasse schmücken führt ein Weg um das Schloss herum zu den beiden Kavaliershäusern. Dahinter beginnt ein sternförmig angelegtes Wegenetz mit acht Alleen. Wenn du den Weg am rechten Häuschen vorbei nimmst, gelangst du über den angrenzenden Friedewald zum Fasanenschlösschen. Ein schöner Spaziergang in idyllischer Umgebung, immer wieder mit Blick auf Schloss Moritzburg, das sich majestätisch im Wasser spiegelt.

Fasanenschlösschen und Leuchtturm

Von Schloss Moritzburg bist du in ca. 40 Minuten zum östlich gelegenen Fasanenschlösschen gelaufen, das sich Kurfürst Friedrich August, ein Urenkel von August dem Starken, als ruhigen Rückzugsort gebaut hat. Ein bonbonfarbener Rokokotraum aus dem späten 18. Jahrhundert (1770) mit einer schönen doppelläufigen Freitreppe, die hinunter zum Teich mit einem kleinen Leuchtturm führt.

Fasanenschlösschen

Zu Zeiten Friedrich Augusts war man der riesigen Prunkgemächer überdrüssig und sehnte sich nach kleinen Repräsentationsbauten. In dem rosa Raumwunder befinden sich auf zwei Stockwerken verteilt 11 Zimmer, luxuriös ausgestattet mit Chinesischen Seidentapeten, bemalten Ledertapeten und Wandschmuck aus Fasanenfedern. Die Wände im ersten Stock sind mit Leinwand verkleidet und mit ländlichen Szenen bemalt. Hinter jeder Tür verbirgt sich eine andere Geschichte, die vom Leben am Meer berichtet oder Jagdszenen zeigt. Vom Türkischen Kabinett führt eine versteckte Tür zum Jagdzimmer, was typisch für die damalige Zeit war. Auch Betten wurden gerne hinter Bücherregal-Attrappen versteckt. Öfen zeigen sich ganz kurios als Kommoden oder kannelierte Säulen.

Über eine knarrende Holztreppe gelangst du zum Speisesaal. Hier stehen präparierte Vögel auf goldenen Konsolen und große Wandgemälde zeigen die Schlacht bei den Dardanellen, die Friedrich August eigens zur Unterhaltung am See nachspielen ließ. Im Zimmer daneben kannst du vom Fenster aus auf den See mit dem kleinen Leuchtturm schauen, von dem aus die hölzernen Fregatten in See stachen.

Im Schlafkabinett hängt wieder eine Federtapete aus Federn von einheimischen Gänsen, Enten und Fasanen. Aber geschlafen hat hier niemand. August Friedrich war wie sein Urgroßvater leidenschaftlicher Jäger und kam nur zum Jagen, Fischen und zur Vogelbeobachtung hier her.

Das Fasanenschlösschen kann nur mit einer Führung besichtigt werden, dafür erhältst du aber interessantes Hintergrundwissen zu den sehr aufwändigen Restaurationen der kostbaren Tapeten. Oftmals existieren nur noch Schwarz-Weiß-Fotografien wie bei den Strohtapeten mit den Chinoiserien und eingearbeiteten Glasperlen, die Hinweise auf den Originalzustand geben.

Vieles wurde 1954 geplündert und einiges vom einstigen Inventar ist heute in Schloss Pillnitz ausgestellt.

Leuchtturm

Nach der Führung kannst du dann noch runter zum pagodenförmigen Leuchtturm auf der Mole laufen, der als Heimathafen für die inszenierten Seeschlachten diente. Die berühmteste Schlacht, die hier nachgespielt wurde, war die um 1770 geführte Schlacht an den Dardanellen, in der die russische Flotte der Kaiserin Katharina die Große das Marineheer der Türken besiegt hat.

Friedrich August ließ dafür extra am Westufer des Teiches eine Ruine errichten, die die Dardanellen darstellen sollte. Er baute ein Kriegsschiff, etliche Bastionen, Schießscharten und sogar eine Meerenge wurde eigens für dieses spektakuläre Schauspiel errichtet. Der Fürst hatte einfach zu viel Zeit. Der Leuchtturm auf der Mole ist das einzige was von damals noch erhalten geblieben ist. Mit viel Fantasie kannst du aber noch die Jubelschreie hören und siehst in weiter Ferne die Gondeln, wie sie über das Wasser gleiten.

Durch den Park geht es zurück zum Barockschloss. Ein letzter Blick auf das märchenhafte Anwesen zeigt, wie es im weitläufigen See mit seinen Spiegelungen verschmilzt.

Zusammenfassung und Fazit

Schloss Moritzburg ist ein tolles Ausflugsziel für die ganze Familie. Auch im Rahmen eines Dresden Besuchs ist das Schloss von Dresden-Neustadt mit dem Bus 326 Richtung Radeburg schnell erreicht. Ausstattung und Einrichtung der Schlossanlage sind ein außerordentliches und hervorragendes Zeugnis alter Handwerkskünste. Besonders das Fasanenschlösschen zeigt auf, mit wieviel Mühe die Exponate wieder aufbereitet werden, um den kulturellen Wert zu erhalten. Ein wenig schade ist, das man im Schloss und im Fasanenschlösschen nicht fotografieren darf. Ich hätte dir auch gerne ein paar Bilder von den Räumlichkeiten gezeigt. Da das Fasanenschlösschen nur im Rahmen einer Führung besucht werden kann, empfehle ich dir gleich das Kombiticket für Barockschloss & Fasanenschlösschen für 11,00 € zu kaufen.

Ein weiteres Ausflugsziel in der Nähe von Dresden ist Schloss Pillnitz. Wenn du stattdessen lieber wandern gehst, schau doch in meinen Artikel Die Sächsische Schweiz – Vom Kurort Rathen zur berühmten Basteibrücke rein. Weitere Tipps zu Dresden gibts in meinem Artikel 7 Tipps für Dresden – Meine Empfehlungen für ein tolles Wochenende.

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