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Mythos Venedig - Dem Tode geweiht und doch so lebendig

Mythos Venedig – Dem Tode geweiht und doch so lebendig

Nicole Manstedt · 07.03.2017 · Europa, Italien, Venedig

Man kann noch so viel über Venedig gelesen oder gehört haben, Venedig wird immer ein Mythos bleiben für die, die nicht einmal dort waren. Eine Stadt bestehend aus vielen kleinen Inseln, durchzogen von unzähligen Kanälen, die nur per Gondel oder über kleine Fußgängerbrücken zu überqueren sind. Die prachtvollen venezianischen Paläste mit ihrer jahrhundertalten Geschichte, geprägt durch viele verschiedenen Epochen und deren Kunstrichtungen. Venedig ist so einzigartig wie keine andere Stadt. Immer wieder dem Untergang geweiht und doch so lebendig.

Abblätternder Putz an historische Gebäuden, die Fundamente unterspült und von Algen überwuchert, aber dennoch hat die durchlauchtigste aller Städte die Jahrhunderte überstanden. Also entschließen wir uns dieses Labyrinth an Wundern zu ergründen, bevor es gänzlich versinkt und für immer und ewig Geschichte ist.

Inhalt

  1. In Venedig ankommen
  2. Excelsior Venice Lido Resort: Grand Dame mit venezianischem Charme
  3. Als der Adel rauschende Feste feierte
  4. Bühne der Selbstinszenierung
  5. Der magische Zauber der Lagune
  6. Gondelfahrt auf dem Canal Grande
  7. Labyrinth aus Stein
  8. Dogenpalast und Markuskirche
  9. Ombra & Chicheti
  10. Wissenswertes über Venedig
  11. Meine Gedanken zum Schluss

In Venedig ankommen

Da in Venedig keine Autos fahren, bist du die meiste Zeit zu Fuß unterwegs oder wirst die Vaporettis nutzen. Das Vaporetto, zu deutsch Dampfer, ist im Grunde genommen vergleichbar mit unserer S- und U-Bahn. Die Linien 1 und 2 fahren nur auf dem Canal Grande, die kleineren Boote der Linien 4.1 und 4.2 werden auch in den kleineren Kanälen eingesetzt. Die Fahrkarten für die Vaporettis kannst du am Automaten, die an jeder Haltestation zu finden sind, kaufen. Ich würde dir aber empfehlen, dir gleich ein Tagesticket oder wenn du mehrere Tage in Venedig bist, ein Mehrtagesticket zu ziehen.

Das Verkehrsnetz der Alilaguna besteht aus 4 Linien, die die wichtigsten Gebiete Venedigs, den Lido, Murano, Burano, Torcello und den Flughafen Marco Polo miteinander verbinden. Zum Lido kommst du mit der roten oder blauen Linie. Die Anlegestelle der Alilaguna ist leicht zu finden. Der Flughafen Marco Polo ist recht überschaubar und gut beschildert. Wenn du aus dem Erdgeschoss des Flughafens kommst, musst du nur links den Schildern der Alilaguna folgen.

Die Fahrkarte kannst du auch am Automaten, direkt am Eingang des Flughafens ziehen. Das Ticket kostet pro Person 15 Euro. Wir sind mit der blauen Linie gefahren. Mit einem Wassertaxi geht es natürlich auch schneller, aber das kostet dann auch entsprechend mehr. Wenn du direkt in Venedig dein Hotel hast, kannst du auch mit dem Linienbus der ACTV fahren. Der ist mit 7 € die günstigste Methode um nach Venedig zu kommen.

Excelsior Venice Lido Resort: Grand Dame mit venezianischem Charme

Unser Hotel war nicht in Venedig direkt, sondern auf dem Lido di Venezia, bekannt durch die internationalen Filmfestspiele und aus Thomas Manns Roman „Der Tod in Venedig“. Das waren aber nicht meine Beweggründe, vielmehr habe ich mich damals bewusst für ein Hotel außerhalb Venedigs entschieden um dem Gewimmel der Touristen zu entgehen.

Das Excelsior ist eine der prachtvollsten Adressen auf dem Lido. Eine Grand Dame mit venezianischem Charme, ein elegantes Hotel der Belle Époque an traumhafter Lage. Das im maurischen Stil geprägte 5-Sterne-Resort ist der ideale Ort für Familien und Pärchen, die ein romantisches Wochenende verbringen möchten oder einfach nur fernab des hektischen Zentrums Erholung und Ruhe suchen. Durch den kostenlosen Shuttleservice zum und vom Markusplatz, den das Hotel seinen Gästen anbietet, bist du auch schnell am Markusplatz. Die Fahrt dauert etwa 20 Minuten. Wir hatten so die Möglichkeit Venedig zu erkunden oder einen herrlichen Tag am Strand zu verbringen.

Beim nächsten Mal würde ich aber wahrscheinlich ein Hotel direkt in Venedig nehmen. Wenn du so wie ich viel und gerne fotografierst, ist es sicherlich praktischer, schon in der Stadt zu sein, um ganz früh morgens, wenn die Stadt noch schläft und ein leichter Nebel über der Lagunenstadt liegt, ein paar tolle Fotos machen zu können.

Den Lido kannst du vom Flughafen mit den öffentlichen Verkehrsmitteln der Alilaguna in etwa einer Stunde erreichen. Von der Anlegestelle Santa Maria Elisabetta sind es dann nur noch ein paar Minuten mit dem Bus, der in nächster Nähe zum Hotel hält. Du kannst die Strecke auch laufen, aber mit Gepäck ist die Busfahrt dann doch bequemer.

Als der Adel rauschende Feste feierte

Zurück zur Serenissima. Bist du hier, umgeben von den prachtvollen Palazzi, läufst durch die engen verwinkelten Gassen und lauscht dem Wasser, das an die Fassaden schwappt, bekommst du eine ungefähre Vorstellung vom früheren Leben in der Lagune. Damals, als Venedig noch eine der größten Handelsstädte war und zwischen Westeuropa und dem östlichen Mittelmeer Luxuswaren, Gewürze und Salz importierte, die mächtigen Dogen regierten und der Adel rauschende Feste feierte.

Bühne der Selbstinszenierung

Doch das ist Vergangenheit. Heute boomt der Tourismus. Aus Venedig ist ein riesiges Freilichtmuseum geworden, das im Jahr Millionen von Menschen aus aller Welt anlockt. Die Venezianer haben nie ihren Geschäftssinn verloren und sich der neuen Zeit untergeordnet.

Aus den ehemaligen Stadthäusern der Dogen und Adeligen sind Hotels geworden. Die prachtvollen Palazzi wurden zu Schatzkammern venezianischer Kunst, den Luxus ihrer ehemaligen Besitzer auf Hochglanz poliert und zur Schau getragen. In den engen verwinkelten Gassen reihen sich die Souvenir- und Nippesläden aneinander. Für einen Kaffee am Markusplatz musst du 5 Euro zahlen und ab 90 Euro aufwärts kannst du dich per Gondel über den Canal Grande schippern lassen. Venedig ist eine Bühne der Selbstinszenierung. Ein Freilichttheater und die Gondellieres, Kellner und Stadtführer die Schauspieler ihrer eigenen prachtvollen Vergangenheit.

Der magische Zauber der Lagune

Die meisten Venezianer sind aufs Festland gezogen. Zu teuer sind mittlerweile die Mieten geworden. Sie kommen zum Arbeiten in die Stadt. Eben als Gondoliere, Kellner, Verkäufer oder Stadtführer. Das Geld fließt so lange die Touristen kommen um den Mythos Venedig zu erkunden.

Trotzdem muss man diese Stadt einfach mal gesehen und erlebt haben. Beispielsweise abends, wenn sich der Ansturm der Touristen legt und die Cafés am Markusplatz langsam ihre Stühle aufeinander stapeln. Oder früh morgens, wenn die ersten Venezianer zur Arbeit gehen, die Kehrmaschine über den Markusplatz rollt und sogar die Tauben noch schlafen – dann ist es still und über Venedig liegt ein magischer Zauber, der einen nicht mehr loslässt.

Gondelfahrt auf dem Canal Grande

Auch wir sind dem Zauber erlegen und haben uns vom Strom der Touristen mitziehen lassen.

Wenn man in Venedig ist gehört eine Fahrt mit der Gondel einfach dazu, auch wenn der Preis mit 93 Euro für eine 40-minütige Fahrt bzw. 118 Euro für eine Fahrt nach 18 Uhr schon extrem teuer ist. Ich habe unsere Gondelfahrt online im Voraus gebucht. Die An- und Ablegestelle Bacino Orseolo ist einfach zu finden. Du musst nur am hinteren Ende vom Markusplatz durch die Arkaden gehen und stehst direkt davor. Nachdem wir unseren Voucher vorgezeigt hatten konnten wir auch ohne weiteres Warten unsere Gondel besteigen und hatten, zugegeben, eines unserer schönsten Erlebnisse in Venedig.

An dieser Stelle aber noch ein Tipp: Vielleicht nicht so romantisch wie eine Fahrt in einer traditionellen Gondel, aber dafür viel günstiger ist eine Fahrt mit dem kleinen Vaporetto. Vom Lido aus fährt die Linie 1 durch den kompletten Canal Grande bis zur Piazzale Roma und hält an insgesamt 21 Stellen.

Du hast so die Gelegenheit, die prachtvollen Paläste am Ufer zu bewundern und bekommst gleich einen Überblick über Venedigs schönste Seite. Unter anderem siehst du auch die Scala del Bovolo, die Rialtobrücke und die Kirche Santa Maria della Salute mal aus einer anderen Perspektive. Wenn du bis zur letzten Haltestelle durchfährst und dann einfach wartest bis alle ausgestiegen sind, kannst du dir auf der Rückfahrt einen der besten Sitzplätze aussuchen und hast freie Sicht. Mit einem Mehr-Tages-Ticket kannst du so oft mit den Vaporetti fahren wie du möchtest.

Labyrinth aus Stein

Auf dem Markusplatz, auch als Salon von Venedig bekannt, ragt der Campanile, ein freistehender Glockenturm mit seiner türkisfarbenen Spitze in den Himmel. Hier kannst du dir erst mal einen Überblick über die Lagunenstadt verschaffen. Aber lass dich nicht von der Schlange vorm Eingang einschüchtern. Es geht wirklich zügig voran und schon 10 Minuten später stehst du im Aufzug. Die Fahrt mit dem Fahrstuhl nach oben kostet 8 Euro. Kein Schnäppchen, aber dafür erhältst du einen umwerfenden Blick auf die Serenissima und kannst deine Tour durch die Gassen planen.

Auch wenn Venedig im Vergleich zu London oder Paris klein ist, ist es schon eine Kunst sich in der Lagunenstadt zurecht zu finden. Für den weniger Venedig erprobten erinnert die Serenissima an ein Labyrinth aus Stein, in deren Gassen man sich schon schnell mal verlaufen kann oder sich plötzlich in einer Sackgasse wiederfindet. Aber keine Sorge, wenn das passiert gehst du einfach wieder ein paar Meter zurück, schaust nach oben zur nächsten Hauswand wo immer wieder gelbe Schilder, die dir den Weg zum Markusplatz oder zur Rialtobrücke zeigen, zu finden sind.

Übrigens hatte der Glockenturm ursprünglich natürlich keinen Fahrstuhl. Dieser wurde nachgerüstet, als der komplette Turm im 20 Jahrhundert in sich zusammen gestürzt ist und wieder neu aufgebaut wurde. Erstaunlicher Weise ist er nicht der Länge nach umgekippt. Wäre das passiert, hätte er die Markuskirche völlig zerstört.

Dogenpalast und Markuskirche

Zugegeben, wir haben gar nicht so viel in Venedig besichtigt und unser geplanter Ausflug nach Murano und Burano ist wortwörtlich ins Wasser gefallen, aber was du auf gar keinen Fall verpassen solltest sind der Dogenpalast und die Markuskirche.

Aufgrund der sehr langen Wartezeiten empfehle ich dir hier eine geführte Tour zu buchen. Das hat zudem noch den Vorteil, das du auch einige Hintergrundinformationen erhältst, die in keinem Reiseführer zu finden sind. Ich hatte unsere Führung im Voraus über Get your Guide gebucht. Die komplette Tour, die zuerst einen kleinen Rundgang durch San Marco, dann die Besichtigung des Dogenpalastes und zum Schluss noch die Markuskirche beinhaltete, war auf deutsch und kostete pro Person 77 Euro. Unser Guide, Francesco, war ein älterer, sehr erfahrener und historisch bewanderter Venezianer, der uns mit viel Charme 3,5 Stunden die Geschichte Venedigs und der Dogen, die Unterschiede zwischen der Renaissance und dem Barock sowie die Strömungen der verschiedenen Kulturen Venedigs, näher gebracht hat.

Der Gang über die berühmte Seufzerbrücke, die den Dogenpalast mit dem Gefängnis verbindet, in dem auch der berühmte Giacomo Casanova inhaftiert war gehörte natürlich auch zur Tour und dazu noch die Geschichte von Lord Byron, der irrtümlicher Weise dachte, dass die Brücke ihren Namen aus romantischen Gründen erhielt. Stattdessen heißt sie so, da die Gefangenen auf ihrem Weg ins Gefängnis zum letzten Mal mit einem Seufzen einen Blick in die Freiheit der Lagune werfen konnten.

Ombra & Chicheti

Die venezianische Küche ist geprägt von fangfrischem Fisch, frittierten Meeresfrüchten, frischem Gemüse und Salaten vom Festland sowie Reis und Polenta. Cicheti sind ähnlich der Tapas in Spanien kleine Häppchen, die gerne auch mal zwischendurch mit einem Gläschen Weißwein, dem Ombra runtergespült werden. Besonders in den kleinen Bacari, was bei uns die Cafés sind, findest du oft Einheimische am Tresen stehend, die hier eine Pause machen und einen Cafe, einen Espresso mit aufgeschäumter Milch trinken. Gegessen wird in der Osteria oder Trattoria, am besten fernab der Touristenattraktionen, wo du noch gute Hausmannskost zu vernünftigen Preisen erhält.

Wissenswertes über Venedig

Es gibt in Venedig über 3000 Straßen und Gassen, 170 Kanäle, 400 Brücken, aber nur einen Platz. Der einzige Platz in Venedig ist der Markusplatz, alle anderen vermeidlichen Plätze heißen Campo, was Feld bedeutet. An einem Platz werden wichtige Entscheidungen getroffen. So saßen hier, wo man jetzt die elitären Kaffeehäuser wie das Café Florian findet, früher die Dogen und haben die Stadt verwaltet.

Die Basilica di San Marco ist genaugenommen keine Basilika. Die Architektur einer Basilika entspricht einem Längsbau und sieht meist wie ein lateinisches Kreuz aus, der Grundriss der Markuskirche entspricht aber einem griechischen Kreuz mit ungleichmäßigen Achsen. Diese Bauweise kam durch die enge Verbindung mit dem damaligen Byzanz zu Stande. Das wird im Inneren der Kirche auch noch mal deutlich. In den meisten orientalischen Kulturen ist es normal, dass Frauen und Männer in den Kirchen getrennt voneinander sitzen. So sieht man in der Markuskirche noch die Restmauern einer Loge, die später abgerissen wurde.

Die glamourösen mit Federn bestückten und kunstvoll verzierten Masken, die du in den venezianischen Schaufenstern siehst haben mit der ursprünglichen Kultur Venedigs nichts mehr zu tun. Einhörner, Löwen und Elefanten sind reine Fantasiegebilde. Die ursprüngliche Maskierung ist auf die Berufsschauspielkunst der Commedia dell’arte zurückzuführen, bei der, ähnlich wie im William Shakespeare Theater in London, verschiedene Charakteren überspitzt dargestellt wurden.

So gab es zum Beispiel den Charakter des Pantalone, abgeleitet vom griechischen Wort für Hose. Einen älteren, meist geizigen Kaufmann, der den jungen Damen nachstellte. Den Dottore, ebenfalls ein älterer Mann, der eingebildet und sehr von sich überzeugt war, obwohl sein angebrachtes Wissen nie auf wahrem Wissen beruhte. Die Colombina, die geschwätzige Frau und den Harlekin, eine eher tragische Figur, die dumm und tollpatschig war und dafür ständig von seinem Herrn Prügel einstecken musste.

Der Gang zur öffentlichen Toilette kostet 1,50 Euro, im Café oder Restaurant mit Sitzgelegenheit ist er kostenlos, sofern du auch etwas bestellst. Jedoch solltest du wissen, dass kleine Cafés und Stehimbisse meist keine Toilette haben.

Meine Gedanken zum Schluss

Venedig ist für mich kein Mythos mehr, sondern eine reale Stadt, die vom Tourismus geprägt ist. Nicht anders als in vielen anderen Städten auf der Welt auch, aber aufgrund der kleineren Fläche und Gegebenheiten vor Ort, um einiges ausgeprägter. Nach London, Paris oder Rom strömen nicht weniger Menschen, aber die Massen verteilen sich besser. Venedig ist klein, man ist locker in einer Stunde vom Markusplatz zum anderen Ende der Insel gelaufen. Alles ist eng und immer wieder musst du eine Brücke überqueren und kannst nicht einfach gerade aus laufen. Bist du aber auf die Menschenmassen vorbereitet und vermeidest die typischen Touristenfallen, ist Venedig eine wunderschöne Stadt, die du in dein Herz schließen wirst.

Warst du schon mal in Venedig? Wie hat dir die schöne Lagunenstadt gefallen und was hast du dort alles unternommen? Schreib mir deine Erfahrungen in ein Kommentar unter diesem Artikel.

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